Tierheim in Benajarafe 2004

SPENDENKONTO:
Stimme der Tiere e.V.
Konto: 5732326
BLZ: 76050101
Sparkasse Nürnberg

Liebe Mitglieder, liebe Tierfreunde!

Fast hätte ich es diesmal nicht geschafft mich auch zu melden. Das vorherrschende Tierelend fordert seinen Tribut. Es muss von früh bis spät geputzt, gefüttert, medikamentiert und organisiert werden. Dazu fast tägliche Tierarztfahrten Wir stellen fest, dass speziell die Katzenproblematik in unserer direkten Umgebung schon etwas abgenommen hat. Wir haben immerhin bis zum heutigen Tag 197 Straßenkatzen kastrieren lassen und an die 100 Babies an liebe Menschen vermitteln können. Ähnlich ist es bei den Hündinnen. In unserer direkten Umgebung konnten wir viele Spanier vom Vorteil der Kastration überzeugen. Natürlich mussten wir die Kosten dafür tragen.

Bei den Jägern, die es hier leider reichlich gibt, beißen wir oft auf Granit. Jagdhündinnen sind besser als Rüden, noch besser sind sie bei der Jagd wenn sie trächtig sind, weil dann der Instinkt die Nachkommen zu ernähren noch ausgeprägter ist. Die Babies werden dann entsorgt.

Ich gehe trotzdem immer wieder zu den Höfen und frage, ob sie ihre Hündinnen kastrieren lassen wollen. In einigen wenigen Fällen hat meine Hartnäckigkeit zum Erfolg geführt. Aber es gibt noch zu viele Höfe wo Jagdhündinnen, bevorzugt Podencos und Pointerhündinnen, ihr Leben lang an kurzen Ketten hängen. Als Unterschlupf dient eine Blechtonne, die im Sommer glühend heiß ist. Sie sind bei mangelhafter Ernährung elend dürr und ständig trächtig, so fristen sie ein schlimmes Dasein. Meist wird ein Junges weiblichen Geschlechts behalten und an einen befreundeten Jäger verkauft und muss dann das selbe erleiden wie seine Mutter.Die überschüssigen Welpen werden entweder umgebracht oder lebendig in Müllcontainer geworfen oder ausgesetzt. Es verlangt ungeheueres Maß an Diplomatie dorthin zu kommen ohne die Beherrschung zu verlieren, besonders dann wenn ich genau weiß, von wem die Podenco-Babies sind, die ich in der Mülltonne gefunden habe. In wochenlanger Tag- und Nachtschicht werden sie dann von mir mit der Flasche aufgezogen. Und dann hängt die Mutter und evtl. eine Schwester von ihnen an der Kette und ist wahrscheinlich schon wieder trächtig. Obendrein ist es sehr schwierig Podencos zu vermitteln wegen des meistens doch sehr ausgeprägten Jagdtriebes. Und an Jäger vermitteln wir natürlich nicht!

Trotzdem komme ich immer wieder dorthin, bringe Wurmtabletten und Mittel gegen Flöhe und Zecken. Manchmal müssen wir sogar ein paar Säcke Futter mitbringen, das wir eigentlich selbst dringend brauchen, weil die Tiere in so erbärmlichen Zustand sind. Auf diese Weise haben wir wenigstens einen Fuß in der Tür und kommen irgendwann vielleicht doch noch zum Erfolg. Ein großer Traum von mir wäre es, für die armen Jagdhunde auf dem Grund der Besitzer Zwinger zu bauen. Weg von den Ketten und entsetzlichen Blechtonnen, mit Sonnenschutz und trockenem Unterschlupf in Hütten während der Regenzeit.

Aber auch auf unserem Grundstück sind weitere Baumaßnahmen dringend nötig. Wir bräuchten unbedingt ein oder zwei extra abgeteilte Zonen für Hundewelpen. Bald täglich erreichen uns Anrufe von Menschen die ausgesetzte Hundewelpen gefunden haben. Bei ungeimpften Tieren ist immer oberste Vorsicht geboten. Wir können sie für ca. 2 Wochen nicht mit anderen Welpen zusammen halten. Über den Sommer könnte das Ganze provisorisch sein, nur Zaun, Hundehütten und - sehr wichtig - Sonnenschutz. Für die ungemütliche Jahreszeit müsste alles natürlich sturm- und regenfest gemacht werden.

Wie bereits erwähnt, hat das Tierelend in unserer direkten Umgebung leicht abgenommen. Jetzt aber kommen die Tiere von etwas weiter her. Und ich finde, dass wir uns auch davor nicht verschließen dürfen. Wir waren auch endlich in der Lage, unsere Kastrationsaktionen auf umliegende Gebiete auszudehnen.

Die Plakataktionen an den Mülltonnen in Benajarafe haben erste Resonanz gebracht. Wir bringen immer an den Containern Plakate an, in denen Hunde- oder Katzenbabies gefunden wurden. Darauf bitten wir, keine Tiere in die Tonnen zu werfen sondern kastrieren zu lassen, kostenlos für den Besitzer! Die Kosten tragen wir von unserem privaten Geld. Die Leute sollen sich mit uns entweder telefonisch in Verbindung setzen oder uns anhalten, wenn sie uns mit unserem Auto fahren sehen. Es funktioniert tatsächlich. Natürlich warten die Täter einige Zeit, bis sie glauben, dass wir sie mit ihrer Untat nicht mehr in Verbindung bringen.

Sie denken jetzt wahrscheinlich, wir könnten bei diesen Vorfällen die Polizei einschalten und Anzeigen erstatten. Weit gefehlt, die Polizei würde gar nicht kommen und eine Anzeige aufnehmen. Es gibt in diesem Land kein Tierschutzgesetz und jeder kann mit seinem Tier machen was er will. Tierschützer werden am ehesten noch geduldet, wenn sie im Verborgenen wirken, nichts an die große Glocke hängen und den Tierfängern und den Gemeinden mit ihren Tötungsanstalten die Arbeit und die damit verbundenen Kosten abnehmen.

Innerhalb der EU ist zwar der Krümmungswinkel von Bananen und ähnlicher Unsinn geregelt, der Umgang mit dem Lebewesen Tier leider nicht.

Es wird ein sehr langer und beschwerlicher Weg sein, bis auf dem Gebiet Tierschutz in Spanien Veränderungen stattfinden.

In dieser Zeit brauchen wir dringend Ihre Hilfe und Unterstützung, sei es finanziell oder dass Sie sich als Spanienurlauber als Flugpaten zur Verfügung stellen.

Im Juni 2004, Ihre Barbara Steppert.

 

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Stimme der Tiere e.V.
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BLZ: 76050101
Sparkasse Nürnberg
Stichwort: „Benajarafe”

Liebe Mitglieder, liebe Tierfreunde!

Der Stress geht unvermindert weiter, die Flut der notleidenden Tiere lässt nicht nach. Immerhin konnten wir seit Januar 2004 bis jetzt 108 Tiere - 57 Hunde und 51 Katzen - in ein neues glückliches Zuhause vermitteln. Die Katzenvermittlung stagniert seit Anfang August. Deswegen sind beide Katzenhäuser schon übervoll, insgesamt beherbergen wir über 50 Samtpfoten. Wir sind leider an dem Punkt angelangt, dass wir auch nicht nur ein Tier mehr aufnehmen können. Wir müssen jeden Notfall abweisen, so schwer es uns auch fällt. Wir würden die vorhandenen Katzen zu großem Stress aussetzen, wenn wir weitere Neuzugänge dazusetzen. Damit verbunden wären Probleme mit Unsauberkeit und erhöhte Krankheitsanfälligkeit.

Unser Augenmerk richtet sich deshalb verstärkt auf Katzenkastration. Gerade läuft wieder eine 14 tägige Kastrations-Aktion deutscher Tierärzte in einem befreundeten Tierheim ca. 70 km entfernt. Dort können wir kostenlos kastrieren lassen. Ich werde daher die meisten der kommenden Nächte nicht in meinem Bett verbringen sondern an den Müllplätzen der umliegenden Dörfer. Auch an den Stellen, wo wir schon ganze Katzenkolonien operieren ließen tauchen immer wieder neue, unkastrierte Katzen auf. Wir können nie die Hände in den Schoß legen und einen der Plätze als ,fertig" betrachten, nein, wir müssen ständig hinterher sein. Bei dem südspanischen Klima bekommen die Kätzinnen dreimal im Jahr Nachwuchs. Wenn wir da nachlässig handeln, war schnell alle bisherige Arbeit und Geldinvestition (zwischen den kostenlosen Aktionen bezahlen wir die Kastrationen natürlich von unserer eigenen Rente) für die Katz" und die Zustände wären schnell wie vorher. Kleine bis mittelgroße Hunde konnten wir dieses Jahr einigermaßen gut vermitteln. Das Problem sind die großen Hunde. Wir haben inzwischen einen „Bodensatz" von 14 großen Hunden, alle noch zwischen 1 und 3 Jahre jung. Es sind liebe anhängliche Tiere die keine Chance auf Vermittlung haben. Das bedeutet für uns: wir müssen sie versorgen und durchfüttern bis an ihr natürliches Lebensende. Große Hunde fressen naturgegeben auch viel. So sind unsere Futterkosten immens. Dazu kommen noch 3 kranke Tiere - Leishmaniose positiv - die auch bei uns bleiben. Sie verursachen dementsprechende Tierarztkosten. Alle diese Hunde haben schwere Schicksale hinter sich und wir haben die Verantwortung für sie übernommen. Das bedeutet nach unserem Verständnis von Tierschutz, dass wir trotz aller Schwierigkeiten für uns diese Hunde nicht einschläfern lassen oder an Personen geben die sie dann vergasen lassen. Auch wenn uns das von einigen Mitmenschen geraten wird und diese uns deswegen als dumm betrachten.

Anfang August haben wir bei der allergrößten Hitze 3 große Welpenzwinger quasi aus dem Boden gestampft, nur Zaun. Plastik-Hundehütten und Plastik-Sonnenschutz. Bald täglich wurden irgendwo ausgesetzte Welpen gefunden und zu uns gebracht. Viele der Welpen sind schon vermittelt. In unserem Haus (einschließlich Bad und manchmal sogar Abstellkammer) teilen wir bereits jeden Raum mit den Hunden.

Ausgerechnet hat seit 18. Oktober der Regen eingesetzt. Die noch verbliebenen Welpen-  Doggenmischlinge und Podencos - sind jetzt der Witterung ausgesetzt. Ich habe große Angst, dass sie alle krank werden. Wenn der stürmische Wind dazukommt, der uns auf unserer Bergkuppe unvermindert trifft, sind die Plastik-Sonnenschutzplanen in Sekunden kaputt gerissen und der Regen kommt auch in die Hütten. Wir müssen dringend schnellstens Steinhäuschen mauern. Wir haben auch einen Schweizer Rentner an der Hand, der gelernter Maurer ist und uns unentgeltlich hilft. Aber wir haben kein Geld mehr, sämtliche Rücklagen haben wir schon längst für die Tiere ausgegeben. Wir bekommen keinerlei Unterstützung von irgendwelchen öffentlichen oder sonstigen Stellen. Sämtliche Unterhalts-, Futter- und Tierarztkosten bezahlen wir von unserer Rente. Bitte helfen Sie uns, dass wir Baumaterial kaufen können. Wir sind in großer Not und großer Eile wegen des Wetters. Die Arbeit machen wir selbst, ohne Ihre finanzielle Hilfe schaffen wir es nicht den Welpen eine ordentliche Unterkunft zu bieten in der sie den andalusischen Winter ohne gesundheitliche Schäden überstehen können.

Unsere Plakataktionen an den Mülltonnen, in denen lebendige Hunde- oder Katzenwelpen gefunden wurden, haben ja erfreulicherweise Früchte getragen. Auch unsere Gespräche mit den Spaniern der Umgebung zeigen „erzieherische Wirkung". Es werden in Benajarafe weniger Tiere ausgesetzt und weggeworfen, die Leute stehen jetzt mit den Tieren bei uns vor dem Gartentor. Natürlich sind wir dann moralisch verpflichtet diese Tiere trotz Überbelegung aufzunehmen. Bei Welpen bestehen wir natürlich auf der Kastration des Muttertieres. Wenn wir die Kosten tragen und das Tier eigenhändig zum Operieren bringen und die Nachsorge übernehmen, sind die Spanier meist dazu bereit, ausgenommen die Jäger. Täglich müssen wir damit rechnen, dass wir trotz der Überbelegung Tiere aus der Umgebung aufnehmen müssen, die wir aus oben genannten Gründen nicht ablehnen können. Beim besten Willen wissen wir dann nicht mehr wo wir sie noch unterbringen sollen.

Benajarafe, 20. Oktober 2004                                       Barbara  Steppert  und Reinhart Siedersbeck

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INFO: Barbara Steppert, Benajarafe (Spanien) Tel: 0034-667621348