Tierheim in Benajarafe 2005

Liebe Mitglieder, liebe Tierfreunde!

Dank Ihrer Unterstützung konnten wir vor Eintritt des großen Regens ein Hundehaus für ca. 6 - 7 Hunde und eine Hundehütte mauern. In der Hundehütte leben 4 kleine Podencobabies, die uns ein spanischer Nachbar (Jäger) in einem Eimer vorbeigebracht hat. Er hatte von 2 Podenco-Müttern 12 Babies und konnte sie nicht alle unterbringen, sprich: an andere Jäger verscherbeln. Obwohl eigentlich wieder kein Platz war, mussten wir sie aufnehmen. Schließlich basiert sein Verhalten auf unseren Plakataktionen. Früher hatte er die Welpen in den Müllcontainer geworfen. Evtl. ist er auch bereit, wenigstens eine der Mütter kastrieren zu lassen, natürlich nur, wenn es ihn nichts kostet. Ich bleibe jedenfalls dran, meine Hartnäckigkeit hat erst in jüngster Zeit wieder bei 2 Jägern zum Erfolg geführt. Der eine hat die Welpen seiner Hündin regelmäßig 2 x im Jahr im Wässer ertränkt. Seine Schwägerin, eine tierliebende Spanierin (die gibt es nämlich auch, nur leider viel zu wenige) hat mir das berichtet. Die Schwägerin war selbst schon mit mir beim Einfangen von Straßenkatzen in ihrer Gegend und ist eine überzeugte Befürworterin für Kastration. Sie hat die Überzeugungsarbeit bei diesen Herrn geleistet, ich musste die bereits wieder trächtige Hündin nur noch abholen und natürlich die OP von meiner Rente bezahlen. Der zweite Jäger, dessen junge Podenca ich kastrieren lassen durfte war anfangs sehr gegen mich eingestellt, fast schon aggressiv. Er ließ sogar anklingen, dass man mich anzeigen könnte und ob ich überhaupt eine Genehmigung der Regierung für mein Tun hätte, was natürlich Unsinn ist. Davon habe ich mich nicht beeindrucken lassen, inzwischen hat er sogar unser Prospektmaterial zum Thema Katzen-Überpopulation in spanischer Sprache in seiner Kneipe ausgehängt. Dadurch erfahre ich immer wieder von ganzen Katzenkolonien, die wir sobald wie möglich zum Kastrieren einfangen. Weiterhin leben in dem neuen Steinhäuschen (sie waren schon vor den Podencobabies da) 2 Hündinnen - wie sich herausstellte mit gebrochener Hüfte - und ein großwüchsiges Welpenmädchen, nicht ihr Junges. Ende Januar hatten wir Besuch aus Deutschland. Die beiden engagierten Frauen wollten sich einmal das Grauen antun, eine Perrera anzuschauen. Eigentlich haben wir erwartet, dass alle Zwinger rappelvoll sind so kurz nach Weihnachten mit bereits wieder ausgesetzten tierischen Weihnachtsgeschenken. Aber alle Zwinger waren bis auf den mit den beiden Hündinnen leer. Der direkte Zugang ist nicht möglich, auch sind dicke Vorhängeschlösser an den Zwingertüren angebracht. Aber wir konnten sehen, dass die beiden weder Futter noch einen Tropfen Wasser hatten. Den herumliegenden Exkrementen nach waren sie schon einige Tage da eingesperrt. Täglich zwischen 13 und 14 Uhr sind die Tierfänger vor Ort, bringen neue Tiere, die sie auf den Straßen aufgegriffen haben. Zu dieser Zeit kann man sich dort einfinden, wenn man ein Tier adoptieren möchte oder seinen eigenen entlaufenen Hund sucht, bevor er nach ca. 10 Tagen nach Malaga in die Gaskammer geht. An diesem Tag kam niemand, es gibt aber eine Handy-Nummer unter welcher man die Tierfänger erreichen kann. Beim Anruf wurde ich auf den nächsten Tag verwiesen. Am Tag darauf kam wieder niemand, die Hunde hatten immer noch kein Wasser und Futter! Ich rief die Tierfänger wieder an und der zuständige Mann erklärte mir, dass im Moment kein Perrerabetrieb ist. Sein Kollege ist krank und alleine geht er nicht zum Einfangen. Erst auf meinen eindringlichen Hinweis, dass sich Tiere in einem der Zwinger befinden die nachweislich seit Tagen unversorgt sind, kam der Tierfänger innerhalb von 15 Minuten her. Trotzdem konnten wir dem Leiden der Hunde noch immer kein Ende machen und beide mit zu uns nehmen. Es gibt wieder einmal neue Regeln. Erst muss man bei der Gemeinde ein Adoptionspapier ausfüllen. Die Gemeinde hatte um diese Uhrzeit aber geschlossen. Auch meine Bitte um Ausnahme wegen der großen Kälte wurde nicht erhört. Ende Januar war gerade die erste große Kältewelle in Südspanien mit Schneefällen wie seit 50 Jahren nicht mehr. Obst und Gemüse erfroren. In den Zwingern gibt es keine Decken oder Paletten, die Hunde müssen auf dem blanken Zementboden liegen. Ich hätte ihnen so gerne eine weitere schrecklich kalte Nacht erspart. Wenigstens bekamen sie Wasser und Futter. Am nächsten Tag auf der Gemeinde staunte ich nicht schlecht, als der Chef der Perrera pro Hund 41,84 Euro kassieren wollte. Jetzt war ich den 3. Tag unterwegs um die beiden Hündinnen zu bekommen und hatte gar nicht genug Geld dabei. Auf mein Argument hin, dass die Tierfänger doch sowieso keine Lust hätten wegen nur 2 Hunden zur Perrera zu kommen (und die beiden hätten elendig verrecken lassen, wenn nicht ausgerechnet ein paar lästige Ausländer aufgekreuzt wären), bekam ich die zwei zum Preis von einem. Erst als wir Paqui und Paquita (so heißen sie jetzt) endlich in Sicherheit gebracht hatten, habe ich über meine Bekannte die Präsidentin eines eingetragenen Tierschutzvereins ist, eine Anzeige gegen die Behörde wegen Nichtversorgung der Tiere machen lassen. Außerdem versuchen wir seitdem klären zu lassen, ob sich der Chef der Perrera mit den 41,84 Euro je Hund selbst bereichert oder die Gebühr neu eingeführt wurde. Die Uhren gehen in Spanien ja bekanntlich anders, auch jetzt, 2 Monate später, ist alles ungeklärt. Wahrscheinlich soll Gras über die Vorfälle wachsen. Aber so schnell wird man mich nicht wieder los. Unser Wohnwagen zerfällt in seine Einzelteile. Er dient als Unterkunft für 5 große unvermittelbare Hunde. Die letzten Stürme haben ihm sehr zugesetzt, eine Seitenwand ist bereits herausgebrochen. Das nächste Baumaterial brauchen wir an dieser Stelle um eine stabile gemauerte Unterkunft zu erstellen. Alle anderen Provisorien halten den Stürmen nicht Stand. Bitte lassen Sie uns nicht im Stich, damit wir auch weiterhin den Tieren in auswegloser Situation helfen können.

Katzenkastrationen: Oktober 2004: 50; November 2004: 59; Februar 2005: 9; März 2005: 9.
Im April kommen wieder deutsche Tierärzte für große Aktionen.

Benajarafe, Ostern 2005   

Ihre Barbara Steppert

Im Juli 2005 erreichten uns folgende Zeilen:

Wir haben wieder 3 neue Abteile für Hunde gebaut.

Die andere dringend fällige Baumaßnahme (Wohnwagen kollabiert) konnten wir noch nicht in Angriff nehmen. Die Tierarztkosten haben uns wieder aufgefressen. Zudem haben wir 30 Hunde und 20 Katzen und werden überhaupt nicht mehr mit der Arbeit fertig. Alle Hunde kommen früh und abends raus zum Rennen und Spielen. Weiterhin sind fast täglich Tierarztfahrten usw. Es ist heiß wie in der Hölle, wir schwitzen wie die Affen, jeder kleine Handgriff ist schweißtreibend.

Foto links: Das kleine Haus haben wir gebaut, leben 2 Podencos im Moment drin. Einer ist letzte Woche nach Deutschland geflogen, nachdem er 6 Monate bei uns war.
Foto mitte: Das grosse Haus haben wir gebaut, leben 4 grosse Hunde drin.
Foto rechts: Unsere Versuche Schatten zu machen. Alle Planen hat der Wind diesen Sommer wieder zerstoert. Wir werden Gelder dafuer verwenden, Eisentraeger mit Blechdaechern zu montieren, mit hunderten Schrauben verschweisst, alles andere hat keinen Sinn hier oben auf diesem Berg.

Die aktuelle Situation ist schwieriger denn je:

Im Nachbarort ist ein Tierschutzverein, der Hundeplatz von diesem mit ca. 60 Hunden muss jetzt aufgegeben werden. Die Hunde sind seit Jahren auf einem Gelände untergebracht, das die Familie von Lolas spanischem Lebensgefährten von dessen Großmutter geerbt hat. Der Familie waren die Tiere schon immer ein Dorn im Auge. José, der Lebensgefährte, ist Ende April tödlich verunglückt und die Familie verliert keine Zeit um die Chance zu nutzen und Lola mit den Tieren hinaus zu werfen. Beide hatten 24 Jahre zusammen gelebt, aber er hat nichts schriftliches hinterlassen. Somit fällt sein Teil des Grundstückes an die spanische Verwandtschaft. Das bedeutet: der Verein kann kein einziges Tier mehr aufnehmen und wir müssen zusätzlich sehen, dass wir diese Tiere ausfliegen können. Somit drängen immer mehr Hunde zu uns herein. Große können wir aber nicht nehmen, da wir schon einige haben, die niemand will. Bald täglich bekomme ich Anrufe von Leuten, die Schäferhunde, Rottweiler, Podencos usw. gefunden haben, Ich muss immer abwimmeln, fühle mich dabei aber sehr schlecht. Der Sommer ist sowieso die schlimmste Zeit des Jahres und heuer wird es noch schlimmer.

Fotos: Die 3 neuen Abteile, eingezaeunt, mit Tüchern beschattet. Es sieht aus wie ein UNO-Fluechtlingslager in Afrika. Aber die Tiere sind in unserer Obhut und sicher. Ausserdem kommen alle 2 mal am Tag fuer laengere Zeit raus.

Die Vermittlung geht sehr schleppend, die Tiere sind viel zu lange bei uns. Flugpaten melden sich nur sehr wenige, obwohl wir seit langem jede Woche ein Inserat in der deutschsprachigen Zeitung haben.

Die Kastrationen für Katzen geht auch weiter. Von einem Campingplatz wurden wir um Hilfe gebeten und haben
5 Katzen kastrieren lassen. 2 Katzenmamas mit Babies haben wir zu uns genommen, weil die Kleinen ertränkt
werden sollten. Weitere 28 Katzen wurden bei einer anderen Aktion kastriert.

Benajarafe, Juli 2005
Barbara Steppert

Liebe Tierfreunde!

Wir haben wieder einmal viel geschafft!

Der Sommer war extrem heiß und trocken, wir mussten unbedingt umfangreiche Schattenplätze für unsere Hunde schaffen. Nachdem wir uns sowieso mit den gespannten Planen und Sonnensegeln ständig ärgern mussten, da diese vom Wind immer wieder weggerissen wurden, haben wir endlich Nägel mit Köpfen gemacht. Wir haben Eisenstangen und Bleche gekauft und dank der Hilfe eines guten Freundes, der ein Schweißgerät besitzt, bombenfeste Konstruktionen geschaffen. Dieser Freund hat bei größter Sommerhitze seine Arbeitskraft und das Gerät kostenlos zur Verfügung gestellt. Wir sparten dadurch viel Geld.

Wir haben auch 3 neue große Zwinger errichtet, mit Blechen überdacht und eingefasst um den Nordwind und Regen abzuhalten. Immer mehr Tiere kommen zu uns, seit der Tierschutzverein im Nachbarort keine mehr aufnimmt, weil er vom bisherigen Hundeplatz vom Besitzer vertrieben werden soll. Ständig ist bei uns alles überbelegt.

Im August rief ein Mann an, dessen Nachbar eine Hundemutter mit 6 Welpen erschlagen will, weil er nach Madrid reisen musste. Die Hunde waren in einem elenden Zustand. Alle hatten mehr kahle Stellen als Fell – von der Mangelernährung, von Flöhen gar nicht zu reden. Wir haben entwurmt und entfloht. Ein Baby war ganz schwach, die Flöhe krabbelten über ihm herum. Es war ausgetrocknet, kam nie an die Zitzen der Mutter, weil die größeren es verdrängten. Es sah aus wie ein Chihuahua. Ich sagte dem Mann, dass ich es sofort mitnehmen muss, um es zur Tierärztin zu bringen. Er unterstellte mir, dass ich es nur verkaufen wolle, Chihuahua werden in Spanien für 500 – 600 Euro verkauft. Er forderte, entweder alle oder keinen mitzunehmen. Das konnten wir wegen Überfüllung nicht. Nach längerem Streit bekamen wir den Welpen. Er wog nur 500 Gramm, war dehydriert, fast blind wegen Vitamin- und Mineralienmangel. Er blieb in der Tierklinik.

Den restlichen Hunden brachten wir gutes Welpenfutter und Vitamine vorbei. Nach einer Woche ging es dem kleinen Welpen, wir nannten in Mona, schon viel besser, nach 2 Wochen wog er schon 1 kg. Er hat sich zu einem fröhlichen und frechen Hundemädchen entwickelt. Im November flog er nach Deutschland in der Hoffnung ein gutes Zuhause zu finden.

Sehr traurig war in diesem Sommer das Leiden und der Tod des Hundes Martin. Sein Besitzer war ein Jäger. Ich kannte Martin schon als Baby. Ich wurde ab und zu um Rat gefragt, weil er als Welpe Durchfall hatte. Ich hatte ihn einige Male entwurmt, entfloht und entzeckt. Martin war ein Podenco Campanero, hatte sehr ausdrucksvolle Augen und war lieb und lustig. Er war kein Zwingerhund. Im August wurde er von einem Auto überfahren und schwer verletzt. Zufällig kam Reiner 10 Tage später dort vorbei und sah das Elend. Der Jäger hatte nichts unternommen! Der Hund hatte 10 Tage lang vor lauter Angst und Schmerzen  nichts mehr gefressen und war nur noch Haut und Knochen, das Rückgrat stand heraus. Der Anblick war zum Weinen, er flehte vor Schmerzen um Hilfe. Der Jäger war immer noch der Meinung, es sei nicht passiert und bis zur Jagd im Oktober ist er wieder fit. Es erforderte viel Beherrschung in einem solchen Moment ruhig zu bleiben, denn sonst wirft ein Spanier einen gleich heraus. Endlich hatte ich die Erlaubnis, Martin am nächsten Tag auf meine Kosten zur Tierärztin zu bringen. Sein Bein war gebrochen, innerlich hatte er keine Durchblutung mehr und war sehr geschwächt, weil er zu spät zur Behandlung kam. In einer 3-stündigen OP wurde ihm ein langer Nagel und einige Schrauben eingesetzt. Er hatte viel Blut verloren. Als ich ihn mit nach Hause nahm, glaubten wir es geschafft zu haben. Er bekam eine Infektion. Sein Körper hat den Nagel abgestoßen. Er hatte eine weitere längere OP, davon ist er wegen seiner Schwächung nicht mehr aufgewacht. Es war ihm nicht mehr vergönnt als glücklicher Hund mit uns zu leben.

Gott sei Dank bekommen wir hin und wieder Briefe und Fotos von „Tiereltern“, die von uns ein Tier adoptiert haben und jetzt glücklich mit ihnen sind. Wen wir das nicht hätten, könnten wir manchmal nicht mehr weitermachen, weil sonst das Traurige überwiegt.

Dieses Jahr haben wir 115 Katzen kastrieren lassen. 15 Katzen und 65 Hunde konnten wir in eine glückliche Zukunft vermitteln. Bitte unterstützen Sie uns auch weiterhin. Trotz allem was wir schon geschafft haben gibt es immer noch so viel zu tun. 

Herzlichen Dank für Ihre Hilfe!                                             Dezember 2005,   Barbara Steppert

SPENDENKONTO:
Stimme der Tiere e.V.
Konto: 5732326
BLZ: 76050101
Sparkasse Nürnberg
Stichwort: „Benajarafe”

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INFO: Barbara Steppert, Benajarafe (Spanien) Tel: 0034-667621348