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Tierheim in Benajarafe 2006
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Liebe Mitglieder, liebe Tierfreunde
wir können mit Stolz auf einen großen Erfolg blicken: am heutigen Tag haben wir die 500. Straßenkatze gefangen und zum Kastrieren gebracht. Dafür, dass wir seit unserer Ankunft in Benajarafe vor 3 ½ Jahren als Einzelkämpfer tätig sind, ohne große finanzkräftige Tierschutz-Organisation im Rücken, kann man mit Recht sagen, dass wir fleißig waren. Seit Jahresanfang konnten wir außerdem bereits 33 Hunde in ein gutes zuhause vermitteln. Sobald es vom Alter her möglich ist, geben wir diese auch nur kastriert ab. Die unkontrollierte Vermehrung und das damit einhergehende Elend zu verringern hat bei uns oberste Priorität.So arbeiten wir uns von der näheren bis in die weitere Nachbarschaft vor und bieten immer wieder die kostenlose Kastration an. Die Kosten dafür tragen natürlich wir. Anders funktioniert es leider nicht. Viele Leute können die Kosten nicht aufbringen, andere könnten es, wollen aber für Tiere kein Geld ausgeben. Ab und zu (ca. 3 – 4 mal im Jahr für jeweils eine Woche) können wir auch in einem befreundeten Tierheim kastrieren lassen, wo ausländische Tierärzte kostenlos arbeiten.So sind wir auf einen Ziegenherden-Besitzer in der weiteren Umgebung gestoßen, der 13 Hunde hält, davon 7 Hündinnen. Die bekamen natürlich bisher jede zweimal im Jahr Welpen. Er hat sie ihnen immer gleich nach der Geburt weggenommen und lebendig in den Müll geworfen. Der Mann erzählt das ohne jedes Schuldgefühl, als wäre diese Art des Umgangs mit Tieren das Normalste der Welt. Seine Frau findet das auch nicht schlimm. Es ist hier einfach üblich. Die Hunde hängen außerdem auch alle an Ketten. Sie sind Regen, Wind und knallender Sonne schutzlos ausgeliefert. Zum Fressen gibt es altes Brot.
Einige Hunde kommen wenigstens für ein paar Stunden am Tag von der Kette, um ihn mit den Ziegen zu begleiten. Immerhin durfte ich die weiblichen Tiere alle mitnehmen und unfruchtbar machen lassen. Eine Hündin bekam in der Nacht zuvor 5 Welpen. Nur auf mein hochheiliges Versprechen hin, dass ich die Welpen später zu mir nehme, ist ihnen der Weg in den Müllcontainer erspart geblieben. Sie sind inzwischen bei uns. Die Mutter haust in einem unglaublichen Dreck, hat ihre Kinder unter einer ausrangierten Badewanne geboren.
Wir haben ihr eine Hütte und ordentliches Futter vorbei gebracht. Für die Leidensgenossen möchten wir auch noch Hütten bringen, nur ist unser Budget wie immer überstrapaziert. Wenn man hochrechnet: 7 Hündinnen, je zweimal jährlich durchschnittlich 4 Welpen, dann sind es im Jahr 56 Welpen, die diese Familie jährlich qualvoll sterben ließ.
Einen großen Mischlingshund konnten wir aus einer misslichen Lage befreien. Er war in ein landwirtschaftliches Bewässerungsbecken, ausbetoniert und 2 m tief, gottlob ohne Wasser, gefallen. Ein Spanier hatte mich angesprochen, es ist in der Nähe seines Hauses passiert und der Hund ist schon seit 7 Tagen drin, aber er lebt noch. Er lag aber völlig apathisch in einer Ecke. Zu der Zeit hatte es etwas geregnet, vielleicht hat er davon getrunken. Von mir sofort alarmierte deutsche Freunde kamen mit Wasser, Futter, Maulkorb und einer langen Leiter. Wir konnten den Hund bergen. Wider Erwarten hatte er einen Mikrochip und sein Besitzer holte ihn am Abend ab. Hund und Herr haben sich gefreut, wir auch. Ich hoffe sehr, dass er sich von den Folgen der Dehydrierung, Unterernährung und Unterkühlung wieder erholt hat.
Anfang Januar haben wir einem Zigeuner 8 halb verhungerte Galgo-Welpen weggenommen. Da uns dieser Mann als sehr gefährlich und aggressiv beschrieben wurde, haben wir sicherheitshalber Polizeischutz angefordert und auch bekommen! Die Mutter hing an der Kette im Freien (auch in Südspanien sind die Winter im Freien ungemütlich und kalt). Den Welpen standen die Rippen und Hüftknochen hervor, ständig wollten sie bei ihrer Mutter trinken, aber sie hat sie weggebissen, weil sie keinen Tropfen Milch mehr geben konnte. Wir haben die Kleinen unsere „Biafra-Kinder“ genannt. Sie waren extrem hartnäckig verwurmt und hatten viel nachzuholen. Inzwischen sind sie sehr große und wunderschöne Hunde geworden.
Fünf davon sind schon in Deutschland bei ausgesprochenen Liebhabern dieser Rasse, die ihnen auch das entsprechende artgerechte Leben bieten.
Eine Hiobsbotschaft haben wir im März aus der deutschsprachigen Zeitung entnommen. Der Bürgermeister von Velez-Malaga, wozu auch Benajarafe und z.B. auch die Touristenstadt Torre del Mar gehören, läßt eine Stierkampfarena bauen. Die Ausschreibung dafür läuft bereits. Die Arena soll eingebettet sein in ein Kneipen- und Vergnügungsviertel. Das kann doch nicht wahr sein! In der heutigen Zeit, in der in einigen Gegenden ganz langsam ein Umdenken stattfindet, soll hier das grausame und perverse Spektakel erst losgehen. Die Spanier finden das bestimmt toll. Wir sind schockiert. Meiner Meinung nach kann nur massiver Protest aus dem Ausland dieses Grauen noch abwenden. Wir haben uns an die großen Tierschutz-Organisationen und an einige EU-Abgeordnete gewandt.
In den nächsten Wochen werden wir versuchen die wild lebenden Hündinnen eines Industriegebietes zu fangen und zu kastrieren. Sie leben dort auf den Schrottplätzen in Lärm und Dreck und auf kontaminierten Böden. Auch sie vermehren sich ständig. Unter Alteisencontainern und zerquetschten Autos lugen die Nasen von ängstlichen Welpen hervor. Mit dem Schrottplatzbetreiber haben wir schon gesprochen. Er ist für unsere Pläne aufgeschlossen und würde uns behilflich sein. Nachts schlafen ca. 14 Hunde auf seinem Platz. Das vordere Tor ist dann zwar geschlossen, aber sie finden auf der Rückseite Schlupflöcher. Etwas mulmig ist mir dabei schon, weil das Industriegebiet eine Gegend ist, wo man sich schon am Tag unbehaglich fühlt und nachts nicht hingehen sollte. Jede Menge Drogensüchtige treiben sich dort herum und bringen Alteisen, das sie im Abfall gesammelt haben, um ein paar Euro zu bekommen. Prostituierte und Zuhälter bestimmen abends das Straßenbild.
Bitte unterstützen Sie uns auch weiterhin mit Ihren Spenden damit wir die Operationen bezahlen können. Wir haben unser „letztes Hemd“ schon lange für die Tiere gegeben und müssen täglich 35 Hunde, 25 Katzen und 2 Ziegen ernähren und auch für die tierärztliche Versorgung aufkommen.
Wir haben schon viel erreicht, bitte helfen Sie uns, damit wir weiterhin so arbeiten können, denn „fertig“ werden wir hier nie!
Vielen Dank,
Juni 2006 Barbara Steppert
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Liebe Mitglieder, liebe Tierfreunde,
leider ist die von „Stimme der Tiere e.V.“ an uns gespendete Hundefalle für die Schrottplatzhunde zu spät bei uns eingetroffen. Die Tierfänger waren da und haben alle Hunde mitgenommen, einschließlich des großen Rüden, den wir vorab ohne Falle fangen konnten und kastrieren ließen. Auch das angebrachte Halsband konnte ihn nicht retten. Inzwischen haben naturgemäß andere Hunde das Revier übernommen und bevor wir aktiv werden, müssen wir mit dem neuen Perrerabetreiber zu einer Übereinkunft kommen, daß kastrierte Tiere nicht weiter behelligt werden. Massenhafte Tötungsaktionen haben noch in keinem Land die gewünschten Erfolge gebracht. Andere Tiere wandern zu und vermehren sich an der Stelle. Innerhalb kurzer Zeit ist derselbe Zustand erreicht wie zuvor. Die einzig wahre Lösung ist, die ständige flächendeckende Kastration! Weder in Russland, Rumänien, Bulgarien, Türkei u.a. hat die seit Jahrzehnten praktizierte brutale Tötung der Streuner irgendeine Verbesserung gebracht. Nur in Italien scheint man das begriffen zu haben und gesunde Tiere dürfen nicht mehr umgebracht werden. Sie können nach der Kastration – entsprechend gekennzeichnet – in manchen Städten auf den Straßen leben.
Spanien ist von solch einer humanen Lösung meilenweit entfernt und die Verantwortlichen scheinen absolut nichts zu lernen aus den Zahlen der jährlich vernichteten Tiere. Erschwerend kommt hinzu, dass der jetzige Perrerabetreiber ein Privatmann ist, der für jedes ausgelöschte Leben Geld bekommt. Obendrein ist er der größte Podencozüchter in Andalusien. Wir haben einmal – als Kaufinteressenten getarnt – seine Zuchtanlage im Nachbarort Rincon de la Victoria besichtigt. In meinem ganzen Leben habe ich noch nie so viele Podencos gesehen. Alle erdenklichen Podencoarten werden gezüchtet auf Teufel komm raus. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass geschätzte 700 dieser Jagdhunde dort interniert sind, ganze Straßen mit Abteilen von Gebärmaschinen. Über das Internet verkauft er sie in alle Welt und nennt sich „Don Animal“. Zudem betreibt er in der Stadt ein Geschäft in dem Futter und Tierzubehör verkauft wird. Die gesamte Schaufensterfront ist mit übereinander gestapelten Käfigen ausgestattet, in denen Welpen sämtlicher anderer Hunderassen zum Kauf angepriesen werden. Das erinnert mich etwas an meine Kindheit in München. Damals gab es auch Zoogeschäfte, die Welpen in den Schaufenstern angeboten haben. Es waren aber nur wenige Tiere und außerdem ist das 40 Jahre her. Die hier angebotenen Welpen sämtlicher Rassen werden an jedermann verkauft, Hauptsache der Rubel rollt. Ob die neuen Besitzer und deren jeweiliges Wohn- und Lebensumfeld zu dem neuen Hausgenossen passt ist überhaupt nicht relevant. Sehr gerne werden Welpen für die Kinder gekauft, da in Spanien die Sommerferien sehr lang sind und viele Eltern oft nicht wissen, wie sie ihren Nachwuchs monatelang beschäftigen sollen. Sind die Ferien dann um, wird das Tier (meistens auch schon um einiges größer geworden) lästig und man möchte sich schnellstens dessen entledigen. Diese sog. Abondonados (Verlassenen) irren dann nach Ferienende herrenlos am Strand, auf der Küstenstraße oder im Campo umher. Die Glücklichen unter ihnen werden bei Tierärzten abgegeben oder auf ausgehängten Zetteln als „Regalos“ (Geschenke) angeboten. Viele landen bei uns. Nächste Sommerferien gibt es ja wieder einen neuen Welpen.
Dieses Jahr konnten wir bisher 98 Hunde in eine glückliche Zukunft vermitteln. Aber es ist ein enormer Kraftaufwand für uns, die wir nur zu zweit sind, täglich an die 30 Hunde und 20 Katzen zu versorgen. Dazu kommen tägliche Tierarztfahrten mit unserem privaten altersschwachen PKW. Alle Tiere müssen mehrfach entwurmt, geimpft und sobald vom Alter her möglich kastriert werden. Zudem kommen die kostspieligen Bluttests auf Mittelmeerkrankheiten und viele zeitaufwendige Flughafenfahrten hinzu. Wenn Spanier ein Tier loshaben wollen, erwarten sie diesofortige Übernahme. Kommen wir einen Tag später, ist das Tier in dunklen Kanälen verschwunden. Wir platzen ständig aus allen Nähten, im Haus sind alle Zimmer belegt, einschließlich Bad und Schlafzimmer. Draußen herrscht oft drängende Enge. Der Sommer war wieder extrem heiß und trocken. Um 8 Uhr früh rann uns schon der Schweiß von der Stirn. Manchmal haben wir auch keine Lust und Kraft mehr, bei der Hitze Wassereimer zu schleppen, Zwinger zu reinigen und so viel zu arbeiten, ab wir müssen. Wir machen das alles ehrenamtlich ohne jegliche Bezahlung, rein aus Liebe zu den Tieren. Wir tragen die gesamten Futter- und Tierarztkosten von der eigenen Rente. Oft reicht dies aber nicht und wir stehen bei unseren Tierärzten monatelang in der Kreide. Sie können sich vorstellen, wie sehr wir uns über Spenden aus Ihren Reihen freuen und wie dringend wir darauf angewiesen sind, damit die Zukunft nicht gar so düster aussieht.
Auch ohne die immense Hilfe idealistischer deutscher Tierärzte hätten wir es in diesem Jahr nie geschafft zusätzlich noch 107 Straßenkatzen kastrieren zu lassen. Diese müssen auch von uns mit Fallen eingefangen werden und hin und zurück 140 km transportiert werden. Die Spritkosten tragen wir selbst. 28 Hündinnen und 9 Rüden aus unserer Nachbarschaft ließen wir unfruchtbar machen. Um so mehr ärgert es uns, wieder ausgesetzte Welpen zu finden.
Anfang Oktober nach einer Nacht mit schweren Regenfällen wurden 4 winzige, frisch geborene Hundewelpen gefunden. Sie entsprachen der Größe von Hamstern. Sie hatten ein Gewicht von gerade 160 Gramm, völlig ausgekühlt und patschnass. Im Grunde ein hoffnungsloses Unterfangen. Jetzt aber waren sie schon auf dieser Welt und ich habe mein Bestes gegeben sie durchzubringen. 2 starben im Laufe des nächsten Tages. Die anderen beiden „Mädchen“ haben sich zunächst gut entwickelt, haben zugenommen und sind auch sichtbar gewachsen. Nach 2 Wochen mühsamen Päppelns mit Fläschchen alle paar Stunden – Tag und Nacht – sind sie auch gestorben. Es macht mich sehr traurig und wütend mit ansehen zu müssen, wie langsam aber unaufhaltsam das Leben aus den kleinen Körpern schwindet, das klägliche Jammern zu hören und nichts mehr tun zu können. Wir haben zusammen 2 Wochen gekämpft und doch verloren. Irgendwo läuft eine kleine Hundemama herum und sucht verzweifelt ihre Babies. Sie versteht nicht, warum ihr grobe Menschen ihre Kinder gleich nach der Geburt weggenommen haben. Wenn wir nicht herausfinden wer das getan hat und die Hündin kastrieren lassen, wird ihr dieselbe Grausamkeit in 6 Monaten wieder zugefügt.
Immer wieder finden wir verletzte Hunde in einer Autobahnunterführung. So auch eine Podenco-Hündin, die sich schwer hinkend in eine nahe gelegene Ruine schleppte. Sie war froh, dass sich jemand um sie kümmerte. Sie hat die ganze Zeit freudig mit dem Schwanz gewedelt trotz der großen Schmerzen. Sonntag-Abend müssen wir die Tierärztin über die Notrufnummer in die Praxis bestellen. Wenn sie extra kommen muss, kostet alles den doppelten Preis. Das linke Hinterbein hing fürchterlich weg, die Hündin war extrem dünn, wahrscheinlich war sie schon eine Weile als „Abandonado“ unterwegs. Die Hüfte war gebrochen. Montag wurde sie operiert. Die Hündin hatte keinen Microchip, wie es in Spanien schon seit Jahren Pflicht ist. Hätten wir den Besitzer ausfindig machen können, hätte er sie trotzdem nicht zurück haben wollen, da doch Kosten auf ihn zukommen.
Hier ist man eben für sämtliche Kosten verantwortlich und muss das Tier dann auch in seine Obhut übernehmen, hat man sich einmal darum gekümmert. Man kann es nicht einfach beim Tierschutzverein abgeben, weil es einen solchen nicht gibt. Das ist sicher auch ein Grund dafür, warum die meisten Menschen wegschauen und verletzten Tieren einfach nicht helfen. Wir können das nicht, hätten keine ruhige Minute mehr, wenn wir wüssten, dass ein Tier in unserer Nähe von Schmerzen und Angst gepeinigt ist. Wer sollte ihm sonst helfen, wenn wir es nicht tun?
Bitte unterstützen Sie uns mit Ihren Spenden. Wir können unser umfangreiches Aufgabengebiet alleine mit unseren Mitteln nicht mehr bewältigen.
Vielen Dank,
Barbara Steppert.
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SPENDENKONTO: Stimme der Tiere e.V. Konto: 5732326 BLZ: 76050101 Sparkasse Nürnberg Stichwort: „Benajarafe”
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