Tierheim in Benajarafe 2007

Liebe Mitglieder, liebe Tierfreunde,

im Januar erhielten wir die Nachricht vom gewaltsamen Tod eines deutschen Ehepaares aus unserem Nachbarort Chilches. Sie haben ihr Haus verkauft und bewahrten offensichtlich einen größeren Geldbetrag darin auf. Deshalb wurden sie ermordet. Das Ehepaar hinterließ 25 Katzen und 2 Hunde. Wie in Spanien üblich, würde die Polizei umgehend die Tierfänger bestellen und alle Tiere kämen in die Tötungsanstalt. Vor Ort konnten wir vorerst  nur den großen Mischlingshund mitnehmen. Der kleine, gerade erst vom Züchter gekaufte, Rassehund fand direkt einen Abnehmer. Mit den Katzen gestaltete es sich wesentlich schwieriger und vor allem langwieriger, da das Haus samt Garten sehr lange versiegelt war wegen weiterer Ermittlungen und Spurensicherung. Somit mussten wir die Katzen mit Futter über die Mauer locken. Einige aber hatten den Garten noch nie verlassen und kamen erst Wochen später heraus. Die Polizei war so kooperativ, nicht die Tierfänger zu bestellen und hat auch im Haus die Impfpässe für uns gesucht und uns dann ausgehändigt. 13 der Katzen waren mehr oder weniger zahm und mit Halsbändern versehen. Wir erfuhren große Hilfe eines Vereins, der die 13 Katzen übernahm. Alle mussten einen Bluttest bekommen, teilweise noch nachgeimpft und kastriert werden, bevor sie nach Deutschland vermittelt werden konnten. Das alles hätten wir finanziell nicht tragen können. Die anderen 12 Katzen haben sich wohl als Kostgänger dazu gesellt. Diese haben wir übernommen, kastrieren lassen und auf unsere Finca umgesiedelt. Über 3 Monate fuhren wir jeden 2. Tag zu dem Haus, haben einzelne Katzen gefangen, Trockenfutter über die Mauer geworfen und Futter und Wasserschüsseln außerhalb an der Straße aufgestellt.

Ende Februar wurden nachts vor unserem Gartentor 8 große schwarze Hunde (Kaliber Riesenschnauzer-Mischlinge) ausgesetzt. Eine Mutter mit 7 großen Kindern.

5 konnten wir in der Nacht noch einfangen, 3 sind wieder zurückgelaufen. Wir wissen woher sie kommen, nämlich von einem Ziegenmann in der Nähe. Der Besitzer ist der Sohn des Mannes, dem wir letztes Jahr alle seine Hündinnen auf unsere Kosten kastrieren ließen und die gerade unter einer alten Badewanne geborenen Welpen übernommen haben. Auch Hundehütten haben wir dorthin gebracht. Von dem Sohn wollten wir damals auch die Hündinnen kastrieren. Mehrfach waren wir vergeblich dort. Die Familie war nicht fähig, die Hunde zum vereinbarten Termin bereit zu halten und auch absolut desinteressiert. Die Hundemutter hatte ein kaputtes Auge, das sehr nässte. Wie ich erfahren habe, hat der Sohn es ihr ausgeschossen. Alleine die Operation um das Auge zu entfernen hat 100,- Euro gekostet. Zudem müssen alle geimpft, getestet und kastriert werden. Große schwarze Hunde sind auch sehr schwer zu vermitteln. Es ist einfach eine Unverschämtheit, aber zu solchen Menschen kann ich die Tiere nicht zurückbringen. Die Kosten einzufordern ist aussichtslos, aber hören werden die Leute noch von mir. Tiere auszusetzen ist auch nach dem spanischen Tierschutzgesetz verboten.

Im März wandte sich ein Ehepaar an uns. Es hat beim Gassi gehen mit ihrem Hund eine verfallene und verlassene Ruine entdeckt aus der Hundegewinsel kam. Durch einen Spalt war zu sehen, dass 2 Hunde im Dunkeln darin eingesperrt waren. Die Ruine steht zum Verkauf mit der Telefonnummer des Besitzers. Dieser kommt nur alle 1 – 2 Wochen vorbei und wirft Trockenfutter hinein.

Das Ehepaar hatte bereits einen Protestzettel an die Holztüre genagelt, sich an die deutsche Zeitung gewandt, aber nichts passierte. Dann haben sie die Polizei hinzu gezogen. Die kam aber nur widerwillig nach mehrmaligen Bitten und Nachfragen. Leider war die Guardia Civil der Meinung, dass die Zustände nicht so dramatisch wären. Da in solchen Fällen eben einfach nur die Eigeninitiative übrigbleibt, mussten wir die Tiere selbst befreien. Die beiden Hunde waren in fast völliger Dunkelheit eingesperrt, wer weiß wie lange schon, standen in ihrem Kot und mussten in beißendem Geruch ihres Urins leben. Der Kleine war erst ca. 6 Monate alt, musste somit dieses Martyrium nicht so lange mitmachen. Er hatte an den Ohren keine Haare mehr vom mangelnden Licht, war sonst aber o.k.

                        

Er hat inzwischen in Deutschland ein liebevolles Zuhause gefunden. Die 4 – 5jährige Pointerhündin, die sicherlich schon viel längere Zeit, wenn nicht gar ihr ganzes bisheriges Leben darin verbringen musste, hat bleibende Schäden davon getragen. Sie hat auf beiden Augen eine Linsentrübung, einen Tumor, Leishmaniose und aufgrund ihres auf einander stehenden Gebisses die Aufbißstellen der Zähne arg abgenützt und offen. Seit sie bei uns ist, rührt sie kein Trockenfutter mehr an, frisst ausschließlich Dosenfutter. In der Ruine musste sie Trockenfutter unter Schmerzen essen um schlichtweg nicht zu verhungern.

Sicher fragen Sie sich, warum sich Menschen überhaupt Hunde so halten? Ganz einfach, um in der Jagdsaison ihrem Hobby zu frönen. Sonst nichts. Sind die Hunde dann nicht gut genug, werden sie ausgesetzt und neue angeschafft. Flora, so haben wir die Pointerhündin genannt, hat trotz allem ihr Vertrauen in die Menschen nicht verloren. Seit ich sie auf dem Arm aus diesem stinkenden Dreckstall herausgetragen habe, folgt sie mir auf Schritt und Tritt und himmelt mich an. Ich habe selten einen so lieben und schmusigen Hund kennen gelernt.

Im Mai hat uns das Schicksal übel mitgespielt! Unser Brunnen ging kaputt und wir mussten neu bohren lassen. Bis eine Bohrfirma aufzutreiben war, mussten wir das Wasser für die Tiere in Kanistern von unserem Nachbarn holen. Dieser finanzielle Kahlschlag (Kosten 7.300,- Euro) hat uns schwer getroffen, wo doch unser alter, noch aus Deutschland mitgebrachter PKW  wohl auch endgültig zusammenbricht.

Diesen ganzen Stress haben wir zusätzlich zu täglich 5-6 Stunden Reinigungsarbeiten, fast tägliche Tierarztfahrten und sonst allerlei kleinere Katastrophen.

Bitte helfen Sie uns weiterhin, alleine schaffen wir es nicht mehr. 

Im Mai 2007  

Ihre Barbara Steppert

Liebe Mitglieder, liebe Tierfreunde,  

wieder blicken wir auf sehr ereignis- und arbeitsreiche Monate zurück, die uns keine Zeit zum Verschnaufen ließen. Wir sind in der Umgebung bekannt wie „bunte Hunde“ und es wenden sich immer mehr Menschen an uns, die Probleme mit Tieren haben. Deshalb klappt es nie mit unserem Vorsatz, endlich kürzer zu treten, im Gegenteil! Wir haben so viele Hunde wie noch nie, nämlich 47. Dazu kommen noch 20 Katzen und 2 Ziegen. Alles muss täglich versorgt werden, und wir sind doch nur zu zweit. Helfer können wir uns nicht leisten. Da ich auch gesundheitliche Probleme habe, wird mir das tägliche Zwingerreinigen und Wassereimerschleppen zusehends zur Strapaze. Längst müsste ich zu einer ärztlichen Behandlung nach Deutschland, aber ich kann hier nicht weg, wie sollte Reiner dieses Arbeitspensum allein schaffen?

Bisher konnten wir dank unser deutschen Pflegestellen 88 Hunde in gute Familien vermitteln. Erfreulich ist hierbei, dass es doch auch Menschen gibt, die ein behindertes Tier adoptieren. So fand ich im Sommer an einer Autobahn-Tankstelle ein Schnauzerwelpen-Mädchen, das – wie sich herausstellte – 6-fache Bein- und Beckenbrüche hatte. Die Knochen waren bereits falsch zusammengewachsen. Die Kleine durfte auf eine Pflegestelle nach Deutschland ausfliegen und fand sehr schnell eine liebe Familie, die alles für sie tut und wo sie geliebt wird.

Auch unsere große schwarze „Laura“, der ihr Vorbesitzer ein Auge ausgeschossen hatte, fand ein sehr schönes Zuhause bei einer deutschen Familie. Eine sehr schwerhörige, wenn nicht sogar ganz taube Hündin, bereiten wir gerade auf die Ausreise vor. Sie ist bereits adoptiert und wird sehnlichst erwartet.

So hegen wir eine gewisse Hoffnung, dass auch unser beinamputierter Jagdhund (6 Monate alt) „Curro” einmal gut unter die Haube kommt. Er hat sich beim Toben mit seinen Geschwistern das rechte Hinterbein gebrochen und musste operiert werden. Leider gab es eine Infektion und nichts heilte zusammen, so dass zuletzt nur noch die Amputation blieb. Er ist so ein lieber, verschmuster Hund und kommt mit seiner Beeinträchtigung gut zurecht.

Wieder einmal bekamen wir kürzlich eine Hündin ans Gartentor gebunden als wir einige Stunden weg waren. Wer weiß, wie lange sie da hing. Innerhalb von 2 Wochen kamen 10 Welpen an. Den einen 5er-Pack brachten Engländerinnen. Die kleinen liefen ganz alleine an einer viel befahrenen Hauptstraße. Keine Mutter weit und breit und auch kein Mensch. Mit Sicherheit hat sie jemand dorthin gesetzt damit sie überfahren werden. Den anderen 5er-Pack brachten Spanier in einem Eimer zusammen mit der Mutter, die sie kastriert haben wollten, natürlich kostenlos. Über dieses Verhalten bin ich ja schon sehr froh, es zeigt doch, dass unsere verschiedensten Bemühungen langsam auf fruchtbaren Boden fallen. Lieber bezahle ich die Kastration aus meiner eigenen Tasche - und gegebenenfalls mit Ihrer Hilfe – als dass ich die Welpen lebendig in einer Mülltonne finde oder sonst etwas Schreckliches mit ihnen geschieht und die arme Mutter alle 6 Monate gebären muss.

Sogar eine afghanische Windhündin – siehe Foto – haben wir hier. Jemand hat dieses edle Tier haben müssen und dann keine Lust mehr gehabt auf die sehr aufwendige Fellpflege. Sie kam in so verwahrlosten Zustand zu uns, dass wir das gesamte Fell nur noch abschneiden konnten. Auch sie wird bald in ihr neues Zuhause reisen können, sobald Impfungen Bluttest usw. abgeschlossen sind.

Wir haben 37 Hunde kastrieren lassen, die in unserer Obhut waren. Zusätzlich haben wir für 24 Hündinnen aus der Umgebung die Kastration bezahlt. Bei den Hunden können wir leider immer noch keine Verminderung der Population feststellen. Bei den Katzen ist dies uns gelungen durch hartnäckiges, über Jahre durchgeführtes Kastrieren. Dieses Jahr waren es 46 Kastrationen.

Unsere 5 großen, alteingesessenen Hunde haben noch keine ordentliche, winterfeste Unterkunft, nachdem der alte Wohnwagen bei einem Sturm zusammengebrochen ist. Sie haben nur einen großen Unterstand mit Hundehütten darunter, was für die schlechte Jahreszeit absolut nicht ausreichend ist. So leid es mir tut, aber ich habe dafür kein Geld mehr! Mir graust es schon vor den starken Regenfällen des andalusischen Winters, obwohl wir ja eigentlich um jeden Regen sehr froh sein müssen.

Auch bei unserer Tierärztin stehe ich mit einer großen Rechnung im Minus. Unser alter PKW hat, wie lange befürchtet, schlapp gemacht und wir hatten eine Reparatur von 800,-- Euro zu begleichen.

Wie Sie sehen, sind wir um jede Unterstützung sehr froh und bitten Sie um Ihre Hilfe, damit wir uns hier vor Ort weiterhin für so viele Tiere engagieren können.

Bett mit Hunden:
Wer den Weg zu uns geschafft hat, braucht keine Angst mehr zu haben!

Zum Schluss etwas sehr Positives: Ein von uns kürzlich vermitteltes Welpenmädchen hat die Welt eines 11-jährigen autistischen Buben so erhellt, dass er das erste Mal in seinem Leben gesprochen hat und seine Worte waren „Lara“.

Benajarafe, 13. November 2007

Barbara Steppert     Reinhart Siedersbeck

 

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