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Tierheim in Benajarafe 2008
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Liebe Mitglieder, liebe Tierfreunde,
Fast hätte ich es diesmal nicht geschafft, mich auch zu Wort zu melden. Reiner und ich verschleppen seit Wochen eine Grippe. Wir können einfach nicht im Bett bleiben und uns ordentlich auskurieren. Die aktuell 35 Hunde, 20 Katzen und 2 Ziegen müssen täglich versorgt werden.
Es gibt niemanden, der uns helfen kann oder will. Hier in Spanien tut kein Mensch etwas ohne Bezahlung. Das ist absolut utopisch für uns, das können wir uns auf gar keinen Fall leisten. Es gäbe nur die Möglichkeit, deutsche, ehrenamtliche Helfer aufzunehmen, die für Kost und Logis arbeiten. Solche Angebote gibt es ab und an übers Internet. Dazu müssen wir aber eine Unterkunft zur Verfügung stellen. Im Prinzip haben wir die auch, nämlich unser winziges Gästeappartement. Nur leider haben wir es auch im fünften Jahr hier nicht geschafft, dieses fertigzustellen und mit dem Nötigsten einzurichten, ganz einfach, weil alles Geld für die Tiere gebraucht wird und nie etwas übrigbleibt für Baumaßnahmen am Haus. Zudem fallen wieder Renovierungsarbeiten an einigen Außenzwingern an. Die Zäune und Türen sind ramponiert. Alles ist notdürftig mit alten Bettgestellen und ähnlichem zusammengeflickt. Auch einen zusätzlichen Zwinger für Welpen müssen wir errichten. Es „regnet“ wieder Hundewelpen aus allen Richtungen. 19 Hündinnen aus der Umgegend haben wir in den ersten Monaten des Jahres auf unsere Kosten kastrieren lassen, 25 Hunde vermittelt (natürlich auch nur kastriert, sobald es vom Alter her möglich war). Trotzdem nimmt es kein Ende. Diese Woche ist wieder Katzenkastration-Aktion. Einige Katzen haben wir wieder bei uns auf der Finca aufgenommen. Es gab einen Todesfall, ein Franzose, der sich um 9 Katzen gekümmert hat. Da niemand die Tiere wenigstens mit Wasser und Futter versorgen will, nehmen wir sie halt zu uns. Aber erwachsene Katzen umzuquartieren gelingt nicht immer, sie sind ja sehr ortsgebunden.
 
Über Umwege kamen vor kurzem 2 schwarze Galgo-Hündinnen eines Jägers aus Sevilla zu uns. Dieser Mann hat die beiden 4 Jahre lang gequält und das Todesurteil über sie war schon beschlossen, weil sie bei der Jagd nicht gut genug sind. So extrem verängstigte Hunde sind mir noch nie untergekommen. Sie haben die ersten Tage nur geschlottert und mit den Zähnen geklappert vor Angst, wenn ich sie nur angeschaut habe. Sie wollten ihren Zwinger nicht verlassen, haben nur zusammen in einer Ecke gekauert. Ganz langsam machen sie Fortschritte, aber jede neue Situation überfordert sie komplett. Es wird noch viele Monate dauern bis sie vermittelt werden können, wenn überhaupt. Dann nur zu Frauen, wenn sie einen Mann auch nur auf weite Entfernung sehen bekommen sie Panik.
Unser Badezimmer ist auch erst seit ein paar Tagen wieder ungehindert für uns zu benutzen. Ständig müssen wir aus Platzmangel darin Hunde unterbringen. Im Nachbarort gibt es einen Züchter (sämtliche Rassen, Schäferhunde, Rottweiler, Boxer usw.) der die Tiere, deren er überdrüssig ist, zu unserer Tierärztin bringt, mit den Worten „Schläfere sie ein oder finde jemanden, der sie nimmt!“. Wenn er sie nicht mehr haben will, egal ob jung oder alt, müssen sie sofort weg. Sie sind für ihn das Futter für den nächsten Tag nicht mehr wert. Zuletzt hatten wir von ihm 2 reinrassige Rehpinscher, die anscheinend keinen Nachwuchs produzieret haben. Die meisten seiner Zuchttiere sind Leishmaniose positiv. So auch die kleine Pinscherhündin. Dazu noch ein alter Yorkshire-Terrier-Zuchtrüde, der bissig ist. Alle 3 liefen immer im Kreis vor lauter Zwingerkoller. Trotzdem konnten wir die drei auf Pflegestellen vermitteln und unser Bad – vorerst – wieder nur für uns vereinnahmen. Lange hält dieser Zustand aber erfahrungsgemäß nicht an.
Von diesem Züchter haben wir früher schon 3 Boxerhündinnen übernommen, alle nie geimpft, Leishmaniose positiv und in vernachlässigtem Zustand. Alle waren „Champions“, deswegen kosten die Welpen 1000,- Euro. Die Papiere zu den Zuchthündinnen gibt er nicht heraus, die benützt er wieder um aus anderen Hündinnen „Champions“ zu machen.
Eine Bekannte fand einen Bernhardiner und eine Dalmatiner-Mischlingshündin auf der Straße Richtung Torre del Mar. Sie wusste wer der Besitzer ist und stellte ihn zur Rede. Er kann sie nicht mehr brauchen und es ist ihm auch egal, wenn es zu einem Autounfall kommt. Die beiden Tiere sind jetzt bei uns, beide sehr lieb. Bei der Hündin wurde bei der Kastration festgestellt, dass sie 8 Welpen im Bauch hatte. Heute geht es ihr sehr gut. Der Bernhardiner wird wieder lange Zeit, oder gar für immer bei uns bleiben. So große Hunde will leider niemand haben.
Mit der von „Stimme der Tiere“ gespendeten Hundefalle müssen wir einen großen wilden Hund mit gebrochener Vorderpfote einfangen, der seit Tagen um unser Grundstück humpelt. Hoffentlich ist es nur ein einfacher Bruch, der gegipst werden kann. Eine OP würde uns wieder ins finanzielle Chaos stürzen.
Ja, so geht es bei uns tagein, tagaus zu und manchmal frage ich mich, ob ich es noch erleben werde, dass die Situation für die spanischen Tiere besser wird. Obwohl wir soviel leisten und unser ganzes Leben nur noch auf das Wohl der Tiere ausgerichtet ist, ist doch alles nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Für die geretteten Tiere aber ist es alles. Ich möchte mich recht herzlich für Ihre bisherige Unterstützung bedanken und hoffe, dass sie uns einsame Kämpfer auch weiterhin nicht vergessen.
14. Mai 2008 Ihre Barbara Steppert
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Liebe Mitglieder, liebe Tierfreunde,
in diesem Jahr konnten wir bisher für 52 Hunde ein neues, gutes Zuhause finden. Das sind weniger als die Jahre zuvor. Es zeigt sich daran ganz langsam der Erfolg der vielen Kastrationen über die Jahre hin. Es zeichnet sich ab, dass es, zumindest in Benajarafe und Umgebung, endlich weniger Welpen gibt. Nicht umsonst bestehe ich immer wieder auf der Kastration der Mütter, wenn mir Leute ihre Welpen bringen. 36 Hündinnen waren es dieses Jahr bisher. Gott sei Dank kommen mehr und mehr Spanier inzwischen selbst auf uns zu. Es hat sich weiträumig herumgesprochen, dass wir die Kosten übernehmen. Auch wenn sicher mal Leute dabei sind, die selbst bezahlen könnten, dann es aber nicht machen lassen würden. Die Preise der spanischen Tierärzte sind auch entschieden zu hoch für die Landbevölkerung.
Dank Ihrer Unterstützung und unserer eigenen Rente sind heuer bisher 132 Katzen kastriert worden. Insgesamt sind es seit unserer Ankunft in Benajarafe vor ca. 6 Jahren 769. Eine Aktion deutscher Tierärzte findet wahrscheinlich noch im November 2008 statt.
Bei der vorletzten Katzenkastrations-Aktion im Juni 2008 habe ich allerdings Prügel bekommen. Zusammen mit einer spanischen Tierfreundin, die im Nachbarort Ricon viele Straßenkatzen mit Futter und Kastrationen betreut, waren wir abends unterwegs. Sie hatte eine neue Stelle mit sehr vielen Katzen in einem sozialen Brennpunkt entdeckt. Kaum hatten wir die Falle aufgestellt, kamen Leute und wir mussten unser Tun erklären. Wir hatten auch ein Flugblatt in spanisch dabei, auf dem die Vermehrungsstatistik stand und genaue Erläuterungen. Nach geduldigem Erklären hatten die meisten Leute das Anliegen verstanden, nur eine Senora nicht. Sie plapperte dauernd über ihre Katzenliebe und dass wir die Tiere umbringen wollen.
Es gab eine große Zahl von Katzen, viele krank und ausgemergelt von ständigen Schwangerschaften, viele trächtig. Paqui und ich hatten schon Kopfschmerzen, hatten aber das Gefühl, dass die Senora nun nach 2 Stunden endlich verstanden hatte was wir tun und dass die Katzen wieder zurückkommen. Sie ging weg. Inzwischen war es dunkel und wir hatten die ersten 4 Katzen eingefangen und in mein Auto gestellt. Plötzlich kam die Frau mit ihrem Sohn und Mann zurück. Der Mann schubste mich unvermittelt von der Heckklappe meines Autos weg, riss die Tür auf und kletterte hinein um die Katzen herauszuholen. So etwas habe ich noch nie erlebt. Ich packte den Mann an seinem Overall und versuchte ihn wieder aus meinem Auto heraus zu ziehen, dabei riss mich seine Frau ständig am Arm. Ich kann nicht sagen wie lange dieses Handgemenge dauerte bis er endlich abließ und ich schnell die Tür absperren konnte. In dem Moment fiel mir ein, dass die Falle (gespendet von „Stimme der Tiere“) noch draußen steht. Der Mann rannte schon darauf zu und hätte sie mit Sicherheit kaputt getreten. Ich überholte ihn, riss die Falle an mich und schrie ihn an. dass er mich und meine Falle in Ruhe lassen soll. Meine Freundin Paqui führte hitzige Debatten mit den Angreifern auf der anderen Seite des Autos.
Endlich dachte ich einen günstigen Moment gefunden zu haben, dass ich schnell das Auto aufsperre und die Falle in Sicherheit bringe. Doch diesen Moment nutzte der Sohn auf der Fahrerseite die hintere Tür aufzureißen und eine der Boxen zu schnappen. Paqui und ich zerrten an ihm, aber wir hatten keine Chance. Er riss die Türe der Box heraus und die Katze sprang in hohem Bogen weg. Mir gab er mit einer solchen Wucht einen Schubser, dass ich mehrere Meter rückwärts taumelte, immer kurz vor dem Sturz auf den Boden. Dabei habe ich beide Schuhe verloren. So haben mir in meinem Leben noch nie die Knie gezittert, mein Herz schlug bis zum Hals. Wieder gab es Debatten. Ich konnte schnell die Autotüren absperren. Der Sohn stürzte sich dann mit voller Wucht und Aggression auf mich, Paqui warf sich dazwischen und sogar die Eltern rissen ihn von mir weg. Ich weiß nicht, wie der mich zugerichtet hätte. Wir forderten gleich über Handy die Polizei an, sonst wären wir aus dieser dunklen Gasse nicht mehr herausgekommen. Die Polizei kam mit 2 Streifenwagen und musste erst den inzwischen eingefundenen Mob trennen, die Befürworter und Gegner der Kastrationen waren. Ich erstattete Anzeige gegen die 3 Angreifer, da ich und mein Auto Blessuren hatte.
Der Schaden am Auto lag bei 500,- Euro. 3 Wochen später gab es eine Gerichtsverhandlung. Die 3 behaupteten, dass ich sie angegriffen hätte usw. Sie kamen damit nicht durch. Sie müssen eine Geldstrafe entrichten, die Autoreparatur bezahlen und mir ein geringes Schmerzensgeld von 150,- Euro geben. Bisher haben sie noch nichts bezahlt. Wahrscheinlich werden sie es auch nicht können.Wenn wir nicht in Schlägereien verwickelt sind, widmen wir uns natürlich weiterhin unseren vielseitigen Aufgaben, z.B. kommen immer mehr Spanier mit ihren kranken Tieren zu uns. Erst letztes Wochenende, es war schon dunkel, schlugen Hunde an.
Ein junger Mann kamen mit einem Roller und hatte vorn einen Plastiksack mit einer kleinen Hündin. Sie sei krank und er habe kein Geld für den Tierarzt. Die Hündin war schon völlig apathisch. Wir nahmen sie und gaben ihr ein warmes Bett und waren nicht sicher, ob sie die Nacht überlebt, da sie schon länger krank war. Am Sonntagmorgen ging ich zum Tierarzt-Notdienst. Das kostet das Doppelte. Die hübsche Hündin hatte den Bauch voller bereits geplatzter Mamatumore sowie eine vereiterte Gebärmutter. Sie hätte zwei OPs gebraucht, die sie nicht überlebt hätte. Die einzige Möglichkeit war die Einschläferung.
Andere erledigen sich auf andere Art ihrer Tiere. Reiner war im Dorf beim Einkaufen und ich hörte plötzlich ein Bellen am Gartentor. Bis ich draußen war, hatte ein Fremder einen Podencowelpen schon hineingelegt und fuhr schnell davon. Es war ein süßer Welpe und ich bin froh dass er bei uns ist. So bleibt ihm sicherlich viel Leid im Leben erspart.
Seit Anfang Oktober bis Weihnachten ist wieder jeden Sonntag Jagd. Die Jäger hauen dann am Abend ab und es rennen die versprengten Jaghunde im Campo herum. Die „guten Hunde“ werden dann am Montag gesucht, die anderen absichtlich zurückgelassen. Obwohl in Spanien seit gut 4 Jahren Chip-Pflicht besteht, finden wir ständig ungechipte Tiere. Es ist ja so praktisch, wenn man sie aussetzen will. Die Hunde stehen dann bei uns vor dem Tor und wir lassen sie herein, wenn sie nach einer gewissen Zeit nicht selbst nach Hause suchen, in der Hoffnung dass sie abgeholt werden. Das passiert aber selten. Auf diese Art erhöht sich unser Tierbestand.
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Bei 40 Grad Hitze haben wir im Juli nochmals ein zusätzliches Abteil für Hunde errichtet, damit wir einen Notzwinger haben. Darin müssen wir nun die Jagdhunde unterbringen. Also wieder nichts frei!
Recht vielen Dank für Ihre Hilfe. Bitte unterstützen Sie uns weiterhin. Obwohl wir schon sehr viel geschafft haben, haben wir noch viele Aufgaben vor uns.
Benajarafe, November 2008 Barbara Steppert
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SPENDENKONTO: Stimme der Tiere e.V. Konto: 5732326 BLZ: 76050101 Sparkasse Nürnberg Stichwort: „Benajarafe”
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