Tierheim in Benajarafe 2010

Liebe Mitglieder, liebe Tierfreunde,

Dieses Jahr erlebten wir einen außergewöhnlich langen und harten Winter. Die Regenfälle waren für andalusische Verhältnisse extrem. Mehrmals standen unsere armen Hunde trotz Überdachungen und Hundehäusern bzw. Hütten im Schlamm. Sie wurden patschnass weil das Wasser wie aus Kübeln von allen Seiten kam. Auch unser Katzenhaus stand einige Male komplett unter Wasser. Die Tiere mussten sich auf die höher angebrachten Bretter retten. Mehrere unserer Katzen haben sich dabei erkältet und mussten behandelt werden. Wir hatten hier gewaltige Schlammschlachten zu schlagen. So einen Winter hat man seit 30 Jahren nicht erlebt sagen die älteren Leute. Wenigstens können wir uns gewiss sein, dass diesen Sommer das Wasser nicht knapp wird.

Trotz aller Widrigkeiten habe ich seit Januar 2010 schon wieder 49 Katzen eingefangen zum Kastrieren. Alle außerhalb von Benajarafe. Dazu 13 Hündinnen und 6 Rüden.

Ein Wurf ungewollter Welpen nach dem anderen findet bei uns Zuflucht. Auch sie werden wir noch satt bekommen.

Bei den Katzen tun sich ständig neue " Wespennester " auf, natürlich auch außerhalb von Benajarafe. Ich bin ja immer froh, wenn mich jemand auf Stellen hinweist, wo 20, 30 oder mehr Katzen sind. Trotzdem finde ich es unglaublich, dass da vorher noch nie jemand auf die Idee gekommen ist, dass man da etwas unternehmen muss. Es leben so viele Deutsche und Engländer hier, aber anscheinend ist jeder so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass das Leid der Tiere gar nicht bemerkt oder allenfalls als Belästigung empfunden wird.

Ich hätte noch so viele Katzen fangen wollen für die letzte Kastrationsaktion im Mai, aber die Tierärztinnen haben - zwar sehr gewissenhaft - aber auch sehr langsam operiert. Es kommen noch einmal 2 Tierärztinnen für eine Woche Mitte Juli. Dann ist aber für viele Monate Schluss, weil es im Hinterland einfach viel zu heiß ist. Dort steht die Luft, die Hitze flirrt. Hier an der Küste ist es zu der Zeit dann auch sehr heiß, aber es regt sich ab und an ein Lüftchen, das macht es erträglicher.

Als wir bei den Müllcontainern in dem Nachbardorf Iznate die kastrierten Katzen zurückbringen (gekennzeichnet mit einer Kerbe im Ohr)  und die verbliebenen noch nicht Operierten einfangen wollen, kommt ein Spanier mit seinem Auto vorbei und fragt, ob wir einen Hund haben wollen. Hinten in seinem Geländewagen liegt eine mittelgroße schwarzweiße Hündin. Sie gehört ihm angeblich nicht, ist einfach bei seinem Haus aufgetaucht und er kann sie nicht gebrauchen. Wenn wir sie nicht nehmen, fährt er mit ihr irgendwo ins Campo und setzt sie dort aus. Wir glauben ihm seine Geschichte nicht, weisen auch darauf hin, dass Tiere aussetzen illegal ist und bestraft werden kann. Aber, wie immer bei solche Erpressungen, nehmen wir die Hündin. Sie ist völlig verschreckt, kann nicht auf ihren Beinen stehen. Wir vermuten schon, dass sie krank oder verletzt ist und fürchten uns vor einer hohen Tierarztrechnung. Doch innerhalb von ein paar Tagen ist sie zu einem fröhlichen Hund geworden und springt bei meiner Freundin mit den anderen Hunden herum. Das arme Ding war nur total verstört. Gott weiß, was sie schon alles mitgemacht hat. 

Am nächsten Tag passiert uns Ähnliches. Wir kommen an einem Haus vorbei, wo ich schon immer fragen wollte, ob die Leute ihre Hunde nicht kastrieren lassen wollen. Jedes Mal habe ich dort viele Hunde gesehen, war aber immer in Eile. Als wir anhalten sehen wir einen Welpen inmitten von Gerümpel und Alteisen. Es ist ein Mädchen. Wir fragen den Mann, aber er will nicht, alle seine Hunde sind Rüden. Er und noch 2 versoffene Gestalten erklären uns, dass sie keine Hündinnen mögen, mit denen hat man ja nur Probleme weil sie ständig trächtig sind und man die Welpen töten muss. Das Welpenmädchen gehört ihnen nicht, war einfach auf einmal da. Wir nehmen sie mit, an diesem Ort blüht der Kleinen mit Sicherheit nichts Gutes. Ein gemeiner Mensch hat ihr auch noch die Rute abgeschnitten. Die 3 Gestalten sind von uns sehr angetan, endlich ist mal was los in ihrem Kaff. Sie laden uns ein mit ihnen in die Dorfkneipe zu kommen. Das lehnen wir ab, uns reicht´s von solchen Menschen.

Es passiert sehr häufig, dass wir mit neuen Tieren nach Hause kommen, wo wir doch eigentlich die Leute von der Unfruchtbarmachung ihrer Tiere überzeugen wollten. Es sind immer solche Fälle, wo wir das Tier zu seinem Schutz sofort mitnehmen müssen. Auf diese Weise gelingt es mir halt nie meinen eigenen Bestand niedriger zu halten.

Bisher habe ich schon 30 Welpen reisefertig gemacht d.h. je 3 Impfungen, mehrere Entwurmungen und je 1 Chip, und auf Pflegestellen verschickt.  Da fallen enorme Kosten an. Leider konnte der Grossteil davon noch nicht in Familien vermittelt werden. In Zeiten der Krise ist die Tiervermittlung sehr schwierig geworden. So bleibt mir nichts anderes übrig, als weiterhin gegen Windmühlenbretter anzurennen und zu versuchen, die Tierbesitzer von der Kastration zu überzeugen. Und ich würde mir so sehr wünschen, dass endlich einmal etwas gegen Züchter und sonstige Tiervermehrer unternommen wird. Sogar hier in Spanien gibt es viele Züchter. Das in einem Land, wo jährlich Hunderttausende oder gar Millionen von Tieren in Perreras getötet werden.

Vielen Dank und bitte helfen Sie uns weiterhin bei unserem schwierigen und langwierigen Kampf um Verbesserungen für die Tiere!

Benajarafe, Mai 2010                                 Barbara Steppert

Meine Hilfe von Juni - November 2010

Im Frühjahr dieses Jahres hat sich eine einschneidende Veränderung ergeben : mein langjähriger Lebensgefährte und ich haben uns getrennt. Er war nicht mehr bereit, mein übergroßes Engagement für die Ärmsten der Armen mitzutragen und ist nach Deutschland zurückgekehrt. Jetzt muss ich die gesamte Arbeit, die wir zu zweit fast nicht bewältigen konnten, alleine schaffen. Das hat sich natürlich z.B. auf die Anzahl der kastrierten Katzen negativ ausgewirkt. Waren es im letzten Jahr 149 Tiere, so sind es heuer bisher nur 83.Ich kann einfach nicht mehr während der Kastrationsaktionen 8 oder mehr Stunden täglich beim Fangen verbringen. Es ist unmöglich Tiere und Haus so lange alleine zu lassen. Außerdem nimmt die tägliche Versorgung meiner Schützlinge (immer um die 35 Hunde & Katzen) alleine schon mindestens 6 Stunden täglich ein. Dazu kommen noch Tierarztfahrten, einkaufen usw. Die Kastration von Hunden ist auch weniger geworden, bisher 20 Hündinnen und 7 Rüden. Ich hoffe sehr, dass bis Ende des Jahres noch einmal deutsche Tierärzte kommen, denn mit diesem Ergebnis bin ich absolut nicht zufrieden. Auch die Vermittlung wird weiterhin immer schwieriger. Bedingt durch die Wirtschaftskrise konnte ich in diesem Jahr erst für 44 Hunde ein neues, gutes Zuhause finden.

Ende August saß ein deutscher Obdachloser mit einem Hund vor einem  Supermarkt. Ich biete in solchen Fällen immer an, die Tiere auf meine Kosten kastrieren zu lassen. Oft genug habe ich schon gesehen, wie auch noch Welpen mitgeschleppt werden und zum Betteln missbraucht und am Ende verscherbelt werden. Dieser Hund war ein Rüde und sogar bereits operiert. Aber er hatte noch mehrere Hunde, die er bei einer Ruine, in der er wohnt, versorgt. Er berichtete mir von einer kleinen zierlichen Podenca, die läufig war und auch 3 Wochen zuvor gedeckt worden ist und war mit der Kastration einverstanden. Er erschien tatsächlich zum angegebenen Termin mit der Hündin und ich bin bei ihrem Anblick sehr erschrocken. Dieses kleine, völlig verängstigte Hündlein war so entsetzlich dünn und von Flöhen und offenen Hautstellen übersäht. Trotzdem dachte ich es ist besser, sie gleich operieren zu lassen, bevor die Babys in ihrem Bauch noch größer werden. Ich konnte mir auch nicht vorstellen, dass sie diese Schwangerschaft überleben würde. Ein bisschen habe ich schon gedacht, dass sich die spanische Tierärztin vielleicht weigern würde die OP durchzuführen. Tatsächlich hatte die kleine CHICA 5 Welpen in ihrem Bauch. Mit Mühe konnte ich den "Besitzer" überreden, dass die Patientin zur Nachsorge noch einige Tage bei mir bleibt. Zum einen kann er ja nicht aufpassen, dass sie sich die Fäden nicht zieht, wenn er sie bei der Ruine zurücklässt, während er vor Geschäften bettelt. Zum anderen wollte ich sie unbedingt etwas aufpäppeln. Tief in mir drin hat sich aber schon längst ein anderer Gedanke breit gemacht. Je mehr ich mir dieses Gerippe anschaute, desto klarer wurde mir, dass dieser Mann den Hund nicht zurückbekommt. Wie sie dastand, Rippen und Hüftknochen standen deutlich hervor, mit vor Angst gekrümmten Rücken. Ein Bluttest hat ergeben, dass sie Leishmaniose-positiv ist. Ich ließ ihr eine teuere Spezialbehandlung angedeihen und pflegte die offenen, teils blutigen Hautstellen. Von der Kastration hat sie sich auch gut erholt. Leider war ihr "Besitzer", der sich offensichtlich nicht besonders um sie gekümmert hatte, sehr uneinsichtig. Ich war ja telefonisch mit ihm in Kontakt und er war nicht mit einem Bluttest einverstanden, obwohl ich ihn ja bezahlt habe. Er ist sogar in der Tierarztpraxis aufgekreuzt und wollte der Tierärztin verbieten, seinem Hund Blut abzunehmen. Und er war auch dagegen, dass Chica Medikamente bekommt, mit denen ihre Beschwerden behandelt und gelindert werden. Auf meinen Einwand, dass sie ohne die Behandlung aber sterben würde, sagte er, dass sie dann eben sterben soll. Damit hat er in meinen Augen sowieso alle Rechte an dem Tier abgegeben. Er hat mich dann über 4 Wochen lang mit Telefonterror und Drohnachrichten belästigt. Er wollte hierher kommen, mein Grundstück und Haus "stürmen" und Chica mit Gewalt zurückholen. Auch mit der Polizei hat er mir gedroht. In Spanien ist schon seit vielen Jahren Chippflicht. Sie hatte keinen, also ließ ich ihr einen einsetzen und sie auf mich registrieren. Damit hat er überhaupt keine Handhabe mehr. Inzwischen geht es ihr sehr viel besser, sie ist zwar immer noch etwas zu dünn, sieht aber längst nicht mehr so schlimm aus wie damals im August. Sie spielt jetzt mit anderen Hunden und ist ein fröhlicher und sehr lieber Hund geworden. Sie darf bei mir im Schlafzimmer schlafen und hat auch gleich die Vorzüge des menschlichen Bettes für sich entdeckt.  

Erfreulicher ist dagegen ein anderer Fall. Ein junger Mann sprach mich auf der Strasse an, dass er seine große Hündin kastrieren lassen möchte aber kein Geld hat. Ich kannte ihn bisher nicht, aber die Leute kennen mich. Diese Hündin wurde bisher bei jeder Läufigkeit gedeckt und gebar jeweils zwischen 8 und 12 Welpen ! Das letzte Mädchen von dem letzten Wurf war noch da. Ich habe die Kastration der Mutter machen lassen und den Welpen mit zu mir genommen. Insgesamt waren es bei diesem letzten Wurf 6 Mädchen, die er an irgendwelche Leute verschenkt hat, die wahrscheinlich wieder nicht kastrieren lassen. Bei der nächsten Aktion werde ich versuchen diese alle zum Kastrieren bei den neuen Besitzern abzuholen. Durch solches Verhalten entstehen Berge von Hunden !  Immerhin hat er das jetzt begriffen, besser spät als nie.

Eine Pointerhündin, die mit ihren spanischen Besitzern in einem alten Wohnmobil am Strand lebt, hatte 11 Welpen. Eines ist gestorben. Die Leute bekamen über die Tierärztin in Benajarafe meine Telefonnummer und fragten, ob ich helfen kann. Eigentlich kann ich  nicht, weil mich die Kosten und die Arbeit bereits aufgefressen haben. Aber ich sagte zu, alle weiblichen Welpen aufzunehmen. Sie wollen noch zum Flohmarkt in Nerja um zu versuchen, einige der Kleinen zu verschenken.

Trotzdem ich ihnen eingeschärft habe keine Weibchen zu verschenken, machen sie es trotzdem. Sonntag Abend treffe ich mich mit ihnen und es sind noch 5 Tiere übrig. Davon nur 2 weibliche und 3 männliche. Ich hatte mir fest vorgenommen nur die Mädchen zu nehmen, aber der Mann flehte mich an alle mitzunehmen. Natürlich war ich auch verärgert, aber wenn man dann  sieht wie die Hündchen leben in einem durchgeweichten Karton unter dem Tisch, alles sehr beengt, konnte ich halt doch nicht anders als alle einzupacken. Ausgerechnet sind sie bis auf eine Ausnahme rappelschwarz. Das gibt wieder Probleme später bei der Vermittlung, die schwarzen Hunde werden nicht gerne genommen. Und groß werden sie noch dazu.

Die Pläne vom letzten Jahr, noch weitere neue Abteile und Unterkünfte zu schaffen, sind in weite Ferne gerückt und auf absehbare Zeit leider nicht zu realisieren. Vielmehr ist es dringend nötig, die bestehenden Zäune und Türen durch neue zu ersetzen. In den vergangenen 8,5 Jahren ist schon vie kaputtgegangen und es muss dringend das Bestehende renoviert werden. Mit den Flickarbeiten kommen ich bald nicht mehr weiter.

Alleine schaffe ich das aber nicht, die laufenden Kosten fressen jeden Euro meiner Rente auf. Somit hoffe ich auf Ihre weitere freundliche Unterstützung. 

Vielen Dank!

Im November 2010, Barbara Steppert, Benajarafe   

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