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Max – seine Freudensprünge haben uns alle aufgebaut
Wieder einmal führte uns der Weg zur Mülldeponie von Mali Losinj. Gleich am Anfang gab es einen kleinen Container. Dort lebte ein junger Mann. Er war ein Kriegsflüchtling aus Bosnien. Er arbeitete schwer und verdiente sehr wenig Geld. Dieses investierte er - wie bei vielen Menschen dort üblich - auch noch in Alkohol. Veronika Vidos fuhr jeden Tag auf ihrer "Katzenfutterrunde" bei ihm vorbei und fütterte seinen Hund. Dieser lebte angekettet an einem Baum neben dem Container. Immer wieder fand der Mann Hunde und nahm sie bei sich auf, obwohl er kein Geld für Hundefutter hatte.
Der erste Hund war 1998 Geri. Dieser konnte durch uns befreit und vermittelt werden. Benji folgte 1999. Wir bezahlten wieder die Impfung und schafften es nochmals, den Hund frei zu bekommen und gut zu vermitteln. Sein 3. Hund war Ali, eine Jagdhündin aus sehr schlechter Haltung. Der Mann weigerte sich, uns Ali zu geben. Wir bezahlten Impfung und Kastration. Frau Vidos fütterte täglich Ali.
2 Jahre probierten wir alles für Alis Befreiung, ohne Erfolg. Im Jahr 2001 starb Ali unter einem Auto, als sie sich einmal von ihrer Kette losriss. Kurze Zeit später hing wieder ein neuer Hund an der Kette. Die Hundehütte war schon schrottreif. Halsbänder, Impfungen usw. zahlten wieder wir. Max hieß der Hund. Er war noch ein Welpe, langhaarig, bildschön und dreifarbig. Er wuchs und wuchs. Er wurde ein prächtiger Colliemischling.
Ich möchte nicht behaupten, dass der Mann seine Hunde schlecht behandelte. Aber wenn er betrunken war, waren sie ihm gleichgültig. Manchmal war er auch länger fort und die Hunde sich selbst überlassen. Veronika Vidos fütterte auch Max täglich und kaufte ihm noch eine große Hütte. Max war bärenstark und fraß viel. Trotz seiner Haltung blieb er verspielt und lieb zu den Menschen. Jeder Versuch scheiterte, Max frei zu bekommen. Im Februar 2004 hieß es plötzlich: Max muss weg! Es wurde eine Straße gebaut, auch der Wohncontainer musste fort. Als Anfang März Frau Ganser und ich für einen kurzen „Arbeitsurlaub" in Mali Losinj waren, begann das Drama um Max: Der Mann rief bei Veronika Vidos an und bat, dass sie sofort Max aufnehmen solle. Bis eine Lösung für Max gefunden sei, solle er bei ihr im Garten leben. Wir holten unter Schwerstarbeit zuerst die Hütte, danach wollten wir Max abholen, aber es war kein Max mehr da. Wir probierten es am nächsten Tag wieder. Der Mann begrüßte uns betrunken und sagte, dass er Max nicht hergibt. Seine Kumpels von der Deponie stimmten ihm zu. Wir ärgerten uns und dachten, dann müssen wir warten bis sein Rausch weg ist, jetzt nutzt eine Diskussion nichts. Max war ja nicht das einzige Problem, das wir in diesen wenigen Tagen auf der Insel hatten. Zwischen Osor und Mali Losinj pendelten wir hin und her um möglichst viele wilde Katzen fürs Kastrieren beim Tierarzt einzufangen. Hunde mussten geimpft, Katzen gefüttert werden. Nach getaner Arbeit fuhren wir abends wieder zur Mülldeponie. Diesmal sagte der Mann, dass er Max für Alkohol einem anderen Mann gab. Wir bekommen ihn nicht. So wurde der arme Max hin und her geschoben, wir waren traurig und böse zugleich. Am nächsten Tag brachten wir wieder Katzen zum Kastrieren und erzählten alles dem Tierarzt. Er wusste auch keinen Rat. Anschließend fuhren wir zum Katzenfüttern zur Mülldeponie. Von einer anderen Stelle her hörten wir Max verzweifelt bellen und jaulen. Wir fanden ihn angebunden an einem Schuppen bei einem fremden Mann. Dieser versicherte, dass er Max „gekauft" habe und behalte. Er bat uns aber gleich um Futter für Max, da dieser hungrig sei. Wütend lehnten wir ab und fuhren weg. Leider sind wir nur Gäste und müssen froh sein, wenn es uns möglich ist die Mülldeponie zu betreten. Stinksauer und ratlos trafen wir bei Veronika Vidos ein. Sie war doch eine Inselbewohnerin und fütterte Max bisher, sie müsse etwas unternehmen! Ohne uns fuhr sie zur Mülldeponie. Wie sie gegen die Männer ankam wissen wir nicht, aber sie kam mit Max. Er kam in ihren Garten. Wir hatten aber Angst, wenn der erste Besitzer nüchtern ist, dass er versucht Max aus dem Garten zu holen. Außerdem bellte der völlig verstörte Hund fürchterlich im Garten. Das bringt sicher Probleme mit den Nachbarn, denn das Haus steht mitten im Ort.
Da kam mir der Gedanke, Frau Stanger vom Tierschutz in Lovran (auf dem Festland) um Hilfe anzurufen. Sie reagierte sofort und fand einen vorübergehenden Pflegeplatz für Max. Frau Ganser sagte: Fahren wir sofort, die Fähre um 16.00 Uhr erwischen wir noch. Es war erst 14 Uhr – hungrig und schnell holten wir noch die kastrierten Katzen beim Tierarzt ab. Ohne zu essen starteten wir und erreichten die Fähre gerade noch. Frau Stanger erwartete uns winkend an der Hauptstraße von Lovran. Wir mussten uns beeilen, die letzte Fähre zurück ging um 19.30 Uhr. Aber es war geschafft, wir brachten Max zu einer alten Villa. Die Besitzerin begrüßte uns mit einer Labradorhündin. Als Max im Garten die Leine abgenommen wurde rannte er mit Freudensprüngen durch den großen Garten und freute sich seines Lebens. Abwechselnd trank er aus dem Brunnen und bepinkelte sein neues Revier. Alle wurden von ihm umtanzt.
Dolores Stanger standen die Tränen in den Augen, als Max so fröhlich durch den Garten tobte. Ihr war im Oktober 2003 ihr über alles geliebter Collie Lassie gestorben. Max faszinierte sie, es war wohl Liebe auf den ersten Blick. Dolores versprach uns, dass sie alles tun wird damit Max eine gute neue Familie bekommen wird. Dann nahmen wir von allen Abschied.
Nach einer kurzen Mahlzeit fuhren wir weiter. Wir kauften im Großhandel in Rijeka günstig Katzenfutter für Osor und Mali Losinj, da auf der Insel alles viel teurer ist, und erreichten schließlich unsere Fähre um 19.30 Uhr. Glücklich, dass Max doch noch von der Mülldeponie befreit werden konnte, kamen wir um 22 Uhr zurück.
Was wurde aus Max?
Dolores Stanger fand keine passende Familie für ihn, denn keine war ihr gut genug. Nach langem Kampf schaffte sie es, dass sie Max behalten durfte. Die ganze Familie liebt ihn inzwischen. Auch ihre 22jährige Katze versteht sich schon besser mit ihm. Wir sind uns sicher: Max hat wirklich den allerbesten Platz bekommen.
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