Tierhilfe Elke Pichler 2009

Tätigkeitsbericht 1. Halbjahr 2009

Gleich nach unserer Ankunft auf Gran Canaria im März konnten wir im Ferienort San Augustin wieder 15 Katzen und sieben Hunde kastrieren lassen. Besonders willkommen waren unseren langjährig befreundeten Tierschutz-Kollegen wiederum Futtermittel, Medikamente (u. a. Antiparasitika) und Microchips die wir durch eigene Mittel und Spenden möglich machten.

Der emotionalste Höhepunkt und zugleich eine große Herausforderung war allerdings ein Fast-Zusammenstoß mit einer bis aufs Skelett abgemagerten Podenco-Canario-Hündin als wir mit dem Autounterwegs waren. Die Sicherstellung ihres Wohlbefindens, tierärztliche Betreuung, sowie die Organisation einer Unterkunft für DHABI, wie wir sie nannten, bis zum Tag ihres Fluges nach Deutschland war schwierig – nicht zuletzt auch wegen der völlig fehlenden Unterstützung des größten örtlichen Tierschutzvereines.

Allein auf dieser kanarischen Insel (die zwei Hunde im Wappen trägt) mit knapp über 800.000 Einwohnern sind 14.000 Jäger in Jagdverbänden registriert und organisiert. Der Bestand der Podenco Canarios auf allen kanarischen Inseln wird auf mehr als 100.000 Hunde geschätzt, Jagdhund-Rassen gesamt auf 150.000 Hunde.

DHABIS fühere Unterbringung auf Gran Canaria....

...und heute in Deutschland

Diese Tiere werden ausschließlich für die Meutejagd auf Kaninchen gezüchtet, die drei Monate im Jahr stattfindet.

Soweit die nüchternen Zahlen. Für die einzelnen Tiere bedeutet das: Lebenslang eingesperrt sein in einer oft heißen, dunklen Baracke, isoliert von der Außenwelt, weitab vom Haus der Jäger in den Bergen gelegen und daher oft tagelang unversorgt, obendrein kurz angekettet um Raufereien und ungewollte Trächtigkeiten zu vermeiden.

Die Hunde werden vor der Jagd meist ausgehungert. Sobald sie auf der Jagd ein Kaninchen gefunden haben, das in einen Bau flüchtet, setzen die Jäger Frettchen mit Maulkörben ein (auch deren Haltung ist in Jägerhand qualvoll) um die Kaninchen aus ihren Verstecken zu scheuchen. Die flüchtenden Kaninchen werden dann entweder von den Hunden gerissen oder von den Jägern geschossen. Hunde die bei der Jagd „versagen“ sind nutzlos und werden danach oft einfach ausgesetzt, erhängt oder erschlagen.Unsere „DHABI“ hatte also großes Glück! Die fast eingewachsene, aber abgerissene Kette um ihren Hals zeigte, dass sie sich selbst befreien konnte. Und sie war – gleichermaßen wie wir - zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Heute sieht man Ihr die durchlittenen Strapazen nicht mehr an.

An dieser Stelle möchte ich Ihnen das sehr hilfreiche, aber leider recht unbekannte Konzept der Flugpatenschaft näher bringen:

Ohne Flugpaten wäre DHABI heute nicht in Deutschland und die Tierschutz-Organisationen in den südlichen Ländern würden der großen Anzahl der ausgesetzten Hunde und Katzen überhaupt nicht mehr Herr werden. Die Öffentlichkeitsarbeit und die Kastrationsaktionen die in diesen Ländern von den engagierten Tierschützern (neben ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit in den Tierheimen) durchgeführt werden, sind noch nicht so erfolgreich wie es wünschenswert wäre.

Wenn Sie oder tierliebe Verwandte, Freunde, Bekannte oder Kollegen mit dem Flugzeug in den Süden verreisen und als Flugpate für ein oder mehrere Tiere zur Verfügung stehen wollen, können Sie sich vor Reiseantritt z.B. auf den Homepages www.flugpate.com,www.flugpaten.de oder www.flugpate.org informieren und kostenlos registrieren lassen. Sofern eine Tierschutzorganisation an Ihrem Urlaubsort Bedarf an Ihrem Angebot hat, wird sie sich mit Ihnen in Verbindung setzen.

Besonders hinweisen möchte ich auf den „Flugpaten-Mangel“ unserer Stimme-der-Tiere-Kooperationspartnerin Barbara Steppert in Spanien, Flughafen Malaga.


Die Anmeldung der Tiere im Frachtraum bzw. als „Handgepäck“ in der Kabine wie auch die anfallenden Transportkosten (pro Tier zw. 20,- und 40,- €) werden von den Tierschutzorganisationen übernommen.  Am Tag Ihrer Rückreise bringen die Helfer die Tiere in Transportboxen oder -Taschen rechtzeitig an den Flughafen ihres Urlaubsortes, überreichen Ihnen die Impfpapiere und checken gemeinsam mit Ihnen die vierbeinigen Schützlinge ein. Am Zielflughafen nimmt dann ein Vertreter der deutschen Partner-Organisation die Tiere samt Papieren entgegen. 

Wie immer können wir in unseren Berichten nur über wenige ausgewählte Aktivitäten und Eindrücke berichten. Es herrscht nach wie vor viel Leid und Not, aber aufgrund von aktiver und finanzieller Unterstützung kommt es zu erfreulichen und motivierenden Veränderungen die zumindest für einige Tiere die Lebensumstände erträglicher machen oder gar positiv verändern.

Zusammen können wir viel erreichen – das hat uns unsere jahrelange Tierschutzarbeit immer wieder bewiesen und das wollen wir gemeinsam mit Ihnen gerne auch weiterhin tun!

Juni 2009                              Elke Pichler

Tätigkeitsbericht 2. Halbjahr 2009

In der zweiten Jahreshälfte lag unser Einsatz-Schwerpunkt in Italien.  Angefangen hat alles mit einem Hilferuf aus dem ehemaligen Erdbebengebiet L´Aquila. Marina, unsere italienische Tierschutz-Kollegin vor Ort, fasste es so zusammen: Das Scheinwerferlicht ist ausgegangen, doch die Tragödie ist noch nicht zu Ende“:

Nach dem verheerenden Erdbeben am 6. April, das mehrere hundert Todesopfer forderte, waren nicht nur zehntausende Überlebende obdachlos, sondern auch deren Tiere. Die Zivilschutzbehörde konnte viele Menschen notdürftig in Zeltstätten unterbringen – deren Haustiere mussten aus „Hygienegründen“ draußen bleiben. Die Folge war absehbar: Die verlassenen Tiere schlossen sich in Katzenkolonien und Hunderudeln zusammen. Tierhilfegruppen und Privatpersonen versorgen diese Tiere noch heute mit dem Nötigsten.

Die Ranger übernehmen die Ladung...

...die Tierschützer in L’Aquila verteilen sie

Unmittelbar vor dem G8-Gipfel im Juli war das Gebiet um L`Aquila nahezu hermetisch vom Militär abgeriegelt. Unsere Hilfsfahrt mit 1,3 t Futter endete bei Bologna. Die italienischen Tierfreunde nahmen unsere Hilfsgüter dort entgegen und übergaben sie dann dem Katastrophenschutz und den Rangern (Umwelt- und Tierschutzwärtern), die wiederum Zugang zum Erdbebengebiet hatten. Im örtlichen, total überfüllten Tierheim, wurden die Hilfsgüter dann zwischengelagert und eine funktionierende Verteilung organisiert und sichergestellt. Anfang August schickten wir per Spedition noch einmal ca. 600 Kilo Futter und Transportboxen nach L´Aquila.

Durch eine in Italien lebende deutsche Tierfreundin entstand der Kontakt zu Ornella und Maurizio, die eine Zuflucht für ca. 80 Hunde bei Carisio in Norditalien haben. Etwa die Hälfte der Tiere ist aufgrund von Krankheit und Alter unvermittelbar. Der gelernten Krankenschwester Ornella liegen gerade diese Tiere besonders am Herzen.

Bei unserer Hilfsfahrt im September konnten wir uns vor Ort ein Bild derProbleme in ihrer ganzen Tragweite machen. Wie erdrückend die Not derzeit ist, ersieht man aus den behördlich angeordneten und unaufschiebbaren Baumaßnahmen die einen Etat von 25.000,-  € erfordern. Unsere Soforthilfe von 1.000,- € hilft und gibt den beiden Tierschützern neuen Mut!

Ornellas große Sorge, die direkt mit ihren Schützlingen zusammen hängt, ist der kommende Winter. Sie bat dringend um Hilfe bei der Verwirklichung ihres großen Wunsches, dass jeder Hund im Winter eine eigene Hundehütte hat. Zurück in München startetenwir dann die Aktion „Hütten für Carisio“, vor allem über E-Mail-Verteiler.

Mit Hilfe IhrerUnterstützung und großzügigen Spenden konnten wir dann Mitte November die Hundehütten in Carisio übergeben.

Im August besuchten wir wieder das Auffanglager der Marias bei Cartagena / Spanien.

Während wir gerade dabei waren die mitgebrachten Hilfsgüter ins Gebäude zu tragen, wurde dieser beigefarbene Rüde über den mannshohen Zaun geworfen und ein Auto fuhr mit quietschenden Reifen davon. Von den Tierfreundinnen mussten wir erfahren, dass diese Art der „Entsorgung“ von Hunden seit Beginn der Sommerferien fast täglich der Fall war.

Mit dem Schicksal von vier Katzenkindern wurden wir im Oktober auf Gran Canaria konfrontiert. Eine Freundin hatte sie vor dem Hausmeister in ihrer Wohnanlage gerettet, der sie im Auftrag der Hausverwaltung gerade vergiften wollte - in Südeuropa eine gängige Praxis.

Da es für die ungeimpften Tiere nicht möglich war einen Platzin einer Katzenpension zu bekommen, mussten wir sie erst einmal bei unserer spanischen Tierärztin in einem Quarantäne-Käfig unterbringen bis der Impfschutz aufgebaut war. Mittlerweile (und über München mit Flugpaten eingeflogen) warten die Katzenkinder bei einer Tierhilfegruppe aus Tirolauf ein liebevolles zu Hause.

2009 haben wir ca. 12 Tonnen Futter, Medikamente und Hilfsmittel in bedürftige Tierschutz-Institutionen in Italien, Rumänien, Spanien (Festland), Gran Canaria und der Münchner Tiertafel gebracht.

Durch diese finanzielle Entlastung haben die ausländischen Tierschützer mehr finanzielle Mittel für ihr Hauptanliegen übrig – die Kastrations-Aktionen, die wir auch immer wieder direkt finanzieren.

Unsere Tierschutz-Arbeit ist nur deshalb so erfolgreich weil Sie uns unterstützen.

Bitte tragen Sie gerade auch in diesen krisenreichen Zeitenweiterhin mit Ihren Spenden dazu bei.

Vielen Dank!

München, November 2009                             Elke Pichler

SPENDENKONTO:
Stimme der Tiere e.V.
Konto: 5732326
BLZ: 76050101
Sparkasse Nürnberg
Stichwort: „Tierhilfe
Elke Pichler”