Kroatien:
Projekte in Mali Losinj und Osor


Im Jahre 1997 entstand unsere Zusammenarbeit mit Frau Veronika Vidos  auf der Insel Losinj. Seitdem entwickelt sich diese Kooperation  durch regen Kontakt und Ihre Spenden immer besser, was wir mit den  Berichten aus Mali Losinj seit 2000 dokumentieren wollen.

Auch in Osor konnten wir bei der Fütterung und Kastration von Campingplatzkatzen helfen.

Hier noch eine kleine Geschichte vom September 2001, die zeigt wie psychisch und physisch anstrengend Tierschutz manchmal  sein kann und wie man einen Kroatien-Aufenthalt als Nicht-Touristin  erleben kann:

Reki, Puppi und Garica

Es war 9 Uhr morgens als mein Handy läutete. Ich war gerade eine Nacht auf der  Insel und noch müde von der weiten Fahrt. Es war der Anruf des Tierarztes. Bei ihm sei gerade ein Hund und er wolle von mir wissen, ob er ihm die Todesspritze geben soll oder ob ich ihn vielleicht nehmen könne. Diese Frage! Gerade angekommen hatte ich noch keinen Überblick von der Situation im Haus bei Frau Vidos. Außerdem blieb ich ja noch einige Wochen. Wohin mit dem Hund bis zur Abfahrt? Das  Haus ist mitten in der Stadt, die Nachbarn sind schon böse wegen  ihrer vielen umherlaufenden Katzen und dem Gebell ihrer eigenen 3  Hunde. Noch mehr Hunde im Garten bereitet Frau Vidos immer größere Probleme. Dann die nächsten Fragen: Mag der Hund andere Hunde? Ist  er lieb zu Katzen? Ich konnte aber nicht nein sagen. So stand eine  halbe Stunde später Reki, ein Spaniel-Mix, 4 Jahre alt, mit dem  Tierarzt vor der Tür. Reki war lieb zu Menschen, lebte in einer Wohnung, aber Frauchen wurde schwanger und wollte ihn nicht mehr haben. 2 Tage ging es gut mit Reki. Dann begann er die Katzen zu tyrannisieren und mit den anderen Hunden fing er an zu raufen und  biss auch meinen Rüden sehr heftig. Hätte ich gewusst, dass wir mit  diesem Hund 5 Wochen Probleme bekommen würden, ihn ständig  wegsperren müssen und aufpassen, dass er nicht die Katzen umbringt,  hätte ich sicher nicht gleich ja gesagt. Aber Reki war ein so lieber  und hübscher Hund. Ich ließ ihn kastrieren und er lebt inzwischen  als Einzelhund bei einer Familie. Wäre ich einige Tage später auf die Insel gekommen, dann wäre Reki jetzt im Hundehimmel. Frau Vidos  hat leider nie die Möglichkeit, alle Hunde, die der Tierarzt  einschläfern soll, bei sich aufzunehmen. Aber wenn sie weiß, dass wir kommen, kann sie wenigstens immer kurzfristig einige Hunde bei sich unterbringen. So konnten wir allein in diesem Jahr schon 24 Hunde vor dem Einschläfern bewahren. Ein Tierheim gibt es leider nicht auf der Insel.
Dann war da schon PUPPI bei Frau Vidos. Er wurde ihr gebracht, irgendwo gefunden. Puppi war unproblematisch, war ruhig und vertrug sich mit allen Tieren, so dass er nicht weiter auffiel. Aber er hatte Angst. Um seinen Hals zog sich eine tiefe  Wunde. Wie sie entstand lässt sich bloß vermuten, vielleicht durch  einen eingewachsenen Strick? Ich habe schon viele Wunden gesehen, aber noch nie eine solch tiefe. Es war ein Wunder, dass Puppi  überhaupt noch lebte. Er ließ sich nicht von Männern anfassen, langte man an die Nähe des Halses, dann bis er. Spritze geben war  unmöglich. So probierte ich mit viel Geduld, Antibiotika-Tabletten  zu geben und ab und zu die Wunde zu desinfizieren. Nach 3 Wochen  Geduld ging die Wunde ohne größere Entzündungen endlich zu. Danach  versuchte ich, ihm ein Geschirr umzumachen. Dies dauerte eine weitere Woche. Dann endlich konnte ich mit ihm Spaziergänge  unternehmen und ihn langsam an die Leine gewöhnen. Die Heimfahrt war dann noch etwas problematisch. Trotzdem ist Puppi inzwischen gut  vermittelt und lebt bei einer Familie mit Kindern. Nur vor Männern  hat er etwas Angst und wenn man ihn am Hals fasst zuckt er noch zusammen. Er hatte großes Glück, dass er bei Frau Vidos gelandet ist  und die rettenden Medikamente bekam.

Erinnern Sie sich noch an meinen letzten Bericht über die Situation der Tiere auf der Mülldeponie? Ich musste die kleine Hündin GARICA an ihrer kurzen Kette zurücklassen. Aber ich versprach ihr, dass sie versorgt wird  bis ich wiederkomme und sie mitnehmen kann. Durch tägliches Füttern  überlebte sie. Aber sie hatte immer noch so große Angst, dass sie sich nicht anfassen ließ. Täglich ging ich auf die Deponie um mit ihr spazieren zu gehen. So bekam sie Vertrauen zu mir. Bei Frau Vidos war kein Platz für sie und so musste sie noch an ihrer inzwischen verlängerten Kette bleiben. Kopfschüttelend schauten mich die Menschen auf der Deponie an, wenn ich kam um den Hund auszuführen, die Katzen und Hunde zu füttern und mit dem Käfig die  wilden Katzen einzufangen. Ein Mann sagte gar, es wäre besser, wenn ich mit ihm jeden Tag spazieren gehen würde. Aber nach und nach  konnte ich das Vertrauen der Menschen dort erlangen. Der Mann, der  mich erst belachte, half mir dann sogar beim Einfangen der Katzen und ließ seine Hündin kastrieren. Ebenso kümmerte er sich um GARI  CA, wenn ihre Kette sich verhing. Mein tägliches Erscheinen auf der  Deponie wurde akzeptiert, die Menschen wurden freundlich. So konnten  die meisten Katzen dort kastriert werden. Wenn man sich dann noch vorstellt, dass eben dieser Mann, früher ein Schüler von Frau Vidos, Katzen brutal quälte, ist allein dies schon ein Erfolg. Doch dann  kam der Tag, an dem Garica weg musste. Ihre Besitzerin war schon  böse, weil ich sie so lange vertröstete. Ich nahm sie mit zu Frau Vidos in den Garten und band sie an einen Baum, als Unterstand eine  kleine Hundehütte. Der Zaun des Gartens ist leider etwas undicht, so  daß eine ängstliche Hündin sofort weglaufen kann und in der Stadt  verloren geht. Das ist uns leider schon öfter passiert. Nach langem Suchen haben wir aber alle Hunde bis auf einen gefunden. Garica war  zu allem Unglück in dieser Zeit gerade läufig. Jetzt begann der große Zirkus im Garten von Frau Vidos mitten in der Stadt. Tagelang hatte ich Angst, dass wir größte Probleme mit den vielen Hunden  bekommen werden. Sämtliche Rüden vom Umkreis besuchten Garica Tag und Nacht. Ständiges Gebell und Kämpfe der Rüden untereinander  verärgerten die Nachbarn, sie drohten mit der Polizei. Wir waren nur  noch am Wegsperren, Hinauswerfen und Anbinden. Die Rüden heulten.  Neben den über 40 Katzen waren noch Frau Vidos Hunde Medo, Lilli und Picco sowie Reki und Puppi, mein Rüde Goldi und des Nachbarn Rüden Snopy und Bleki. Alle belagerten die Tür oder sprangen über die  Mauer. Es war einfach Chaos. Mit völlig kaputten Nerven meisterten wir diese schlimmen Tage. Garica wurde inzwischen kastriert und ist  ebenfalls vermittelt.

Dies mein kurzer Einblick, wie sich  jemand fühlt, der nicht als Tourist auf diese schöne Insel fährt. Jedes einzelne gerettete Leben ist es wert, sich einzusetzen.

Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung. In der Hoffnung, dass es uns möglich ist, auch im Jahr 2002 so vielen Tieren zu helfen!


September 2001
Judith Jantke
 

SPENDENKONTO:
Stimme der Tiere e.V.
Konto: 5732326
BLZ: 76050101
Sparkasse Nürnberg
Stichwort: „Kroatien”
 

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